Mein Wecker klingelt. Es ist 11 Uhr. Viel zu früh. Zum Glück hat mein Handy eine Schlummerfunktion. Vor halb 12 geht bei mir generell gar nichts, vor allem nicht mit diesen Kopfschmerzen. Wer ist denn eigentlich der Typ, der da neben mir liegt? Oh nein, immer wieder dröhnen mir die Worte unseres Clubdirektors Hans durch den Kopf: ,,Es ist strengstens verboten, Gäste mit in das Personalhaus und auf Eure Zimmer zu nehmen.“ Mist, das war wohl gestern Nacht schon wieder ein Gin-Tonic zu viel. Den Typ lasse ich erst einmal liegen. Hoffentlich sieht er nicht die One-Night-Stand Strichliste die auf meinem Nachttisch liegt. Naja, was anderes erwarten die Gäste ja auch nicht von uns Animateuren oder? Zum Glück finde ich im Entertainment-Büro noch eine Aspirin- und Koffeintablette. Mit einem aufgesetzten Lächeln mache ich mich auf den Weg zum Strand. Mal schauen welche nervigen Gäste heute wieder zum Boccia kommen. Nach einer Stunde Kugelschubsen, gönne ich mir das erste wohlverdiente Bier an der Bar. Danach krieche ich nochmal in mein Bett zurück. Nachdem ich mein Bett glücklicherweise wieder leer vorfinde, genieße ich noch drei Stunden Schlaf. Rechtzeitig weckt mich mein Zimmernachbar Andreas mit zwei Bier in der Hand. Er weiß einfach wie mein Kreislauf wieder in Schwung kommt. Nun steht Volleyballspielen an. Glücklicherweise sind die Gäste genauso durchnächtigt wie ich, sodass wir nach 30 Minuten lieber an der Bar einen Longdrink genießen. Damit mir nicht der gleiche Fauxpas wie gestern passiert, mache ich mich lieber alleine auf den Weg in mein Zimmer und genieße eine ausgiebige Dusche bevor ich zum Abendessen schlendere. Danach darf ich zeigen, dass die Bühne mein zweites Zuhause ist. Ob die Gäste bemerken, dass ich beim Dinner das ein oder andere Glas Wein zu viel getrunken und meinen Auftritt für das Musicalplayback verpasst habe? Egal, ich kann eh nur noch an die Party denken die heute Abend in der Hoteldisco stattfinden wird. Ob der Typ von heute Nacht auch wieder da sein wird? Ich hoffe nicht, denn Joachim, der heute aus Berlin angereist ist, ist auch ein echt hübscher Kerl.
Leider entspricht dieser Tagesablauf noch immer den Vorstellungen vieler Leute. Somit müssen Animateure immer wieder gegen Ihren negativen Ruf ankämpfen. Sei es in der Familie, bei Freunden oder Unbekannten.
Hast Du gewusst, dass ein Animateur mindestens 15 Stunden am Tag arbeitet, dafür gerade mal einen Stundenlohn im Einstiegsgehalt von 2,20€ bekommt,  nur einen Tag in der Woche frei hat, man oft gar nicht oder kaum zum Essen kommt, bis zu 10 Stunden in der Vorbereitungszeit für Shows probt und Abends eine Baranwesenheitspflicht bis 24:00 Uhr hat, bei der man sich entweder mit Gästen unterhalten oder auf der Tanzfläche tanzen muss?
Natürlich gibt es auch Animateure denen es – ganz klar- oft nur um das Eine geht. Allerdings braucht ein Hotelclub solche Typen auch. Von Sex lebt das Geschäft. Genauso wie in der Werbung. Nüchtern betrachtet ist es eben eine billige Werbung. Je länger der hübsche Animateur an der Bar ist, desto länger sind es auch die Damen und umso mehr konsumieren sie teure Hoteldrinks. Und nicht weil der Strand an der türkischen Ägäis so wunderschön ist, kommen die weiblichen Gäste im Jahr zum bereits fünften Mal. Der einzige Grund ist Muhammed, der alte Casanova. Diese Art von Animateuren sind allerdings in der Minderzahl. Dennoch sind die meisten von Ihnen aber trotzdem Arbeitstiere, weil sie lieben was sie tun. Sie lieben es, den Frauen am Strand beim Volleyball mit ihren 1A-Aufschlägen zu imponieren, Ihnen zu zeigen wie toll sie Michael Jackson auf der Bühne performen können oder beim wöchentlichen Showcooking die Frauen mit Ihrem Tiramisu begeistern. Alle anderen halten es erfahrungsgemäß meist nicht länger als vier Wochen durch.
Die weiteren Zeilen sollen nicht um Mitleid betteln, schließlich ist jeder für sein Glück selbst verantwortlich. Vielmehr möchte ich einige Vorurteile aus dem Weg räumen und den Animateur in ein anderes, ein positives Licht rücken. Ich möchte zeigen, was es bedeutet Animateur zu sein und wieviel Spontanität, Ausdauer und Geduld man für diesen Job mitbringen muss.

Ich will Spaß Show - (Robinson Club Sarigerme Park) Poolaction (Robinson Club Jandia Playa Fuerteventura) Robin Tamara - (Robinson Club Sarigerme Park) Quiz am Nachmittag (Robinson Club Amadé Österreich) Michael Jackson Show 2 - (Robinson Club Jandia Playa Fuerteventura)

 

Seht nun in den nächsten Zeilen, den ,,wahren Tagesablauf‘‘ eines Animateurs.
07:30 Uhr. Mein Wecker klingelt. Viel zu früh um Aufzustehen. Ob ich solche Gliederschmerzen habe, weil wir gestern wieder bis zwei Uhr Nachts im Theater für die bevorstehende Showpremiere von Elisabeth geprobt haben? Egal, vor den Gästen darf ich mir das nicht anmerken lassen. Schnell noch die Augenringe überschminken und schon stehe ich in der riesigen Küche des Hotelclubs und knöpfe meine Kochjacke zu. Nein, ihr habt Euch nicht verlesen. Auch die Sportstainer oder Robins wie wir sie nennen (das Wort Animateur wurde vor ein paar Jahren von der Hotelkette abgeschafft), müssen mindestens zwei bis drei Mal in der Woche zum Show-Cooking. Früh am Morgen, zu Mittag oder auch am Abend. Dabei stehen wir nicht in der Küche und schnibbeln Gemüse, sondern kochen frisch am Buffet und halten dabei Gästekontakt. Nach zwei langen Stunden darf ich meine Schürze wieder ausziehen. Nach einem kurzen Frühstück springe ich schnell unter die Dusche, schlüpfe in meine Teamklamotten und sitze auch schon im Teammeeting. Dort warten bereits meine Kollegen aus dem Entertainmentteam. Wir besprechen den Tagesablauf, eventuelle Änderungen des Programmes und lesen ein paar Gästebewertungen durch. Danach probe ich eifrig eine Stunde die Rolle der Elisabeth im Theater. Meine erste große Hauptrolle.                    Immer wieder erinnere ich mich an meinen ersten Arbeitstag in Spanien zurück, als die Nebenrolle eines Sprechtheaters ausfiel. Somit stand ich nach einer langen Nachtprobe auf einmal auf der Bühne. An meinem zweiten Arbeitstag! Dieser Job ist eben nichts für unspontane Menschen die viel Schlaf benötigen.
,,Du wirst heute eine grandiose Elisabeth spielen!“ Mit diesen Worten verabschiedet sich die Tanz-/Choreographin von mir und schon schnappe ich mir den Volleyball und husche zum Strand. Die ersten Gäste warten bereits auf mich und die Mannschafts-Einteilung. Zwei Stunden pralle Sonne und zwei Liter Wasserflaschen später, freue ich mich auf das Mittagessen. Fluch und Segen zugleich. Fast alle Mitarbeiter dürfen im Restaurant bei den Gästen essen. Zwar hat man ein 5-Sterne Buffet zur Auswahl, muss aber mit den Gästen am Tisch mindestens einen Small-Talk halten. Des Weiteren dürfen nur zwei Mitarbeiter pro Tisch gesetzt werden. Mit meinen zwei besten Freundinnen, die ebenfalls im Club arbeiten essen zu gehen, nicht denkbar. Das wäre nur an einem freien Tag möglich. Und jeden Tag bekommt man die gleichen Fragen gestellt. ,, Wie lange bist Du schon hier? “ ,,Was machst Du in Deinem echten Leben?‘‘ ,,Wo kommst Du her?‘‘ Ich habe mir auch schon einmal überlegt, alle Antworten auf Plakate zu schreiben und diese bei Nachfrage einfach hoch zu heben. Natürlich undenkbar. Nach dem kurzen Plausch und fünf Gästebeschwerden später eile ich weiter zu der Generalprobe für die bevorstehende Premierenshow heute Abend. Die nächsten zwei Stunden herrscht höchste Konzentration im Theater. Schnell werden noch die letzten Kostüme bei der Requisiteurin anprobiert und geändert. Hinter der Bühne herrscht nun ein großes Chaos. Jeder Showteilnehmer muss hinter der Bühne Kostüme und Requisiten an verschiedenen Ausgängen richten. Ich positioniere alleine nur für mich über 50 Kostüme und Requisiten. Nach dem Showdurchlauf kommen alle Mitarbeiter für das wöchentliche Blau-Weiß Meeting im Theater zusammen. Das Meeting wird von dem Clubdirektor persönlich gehalten. Neue Kollegen werden vorgestellt, prominente Gäste angekündigt, Lob und Kritik verteilt. Danach eile ich weiter zu einem unserer Meeting-Räume des Hotels. Heute bekomme ich meine letzte Crew Training-Stunde. Das Thema heute umfasst Stil und Etikette. Die Trainerin lehrt uns, wie man sich richtig zu Tisch zu verhalten hat. Welche Speisen mit der Hand gegessen werden dürfen oder auch die richtige Benutzung des Besteckes und der Stoffserviette. Ein sehr wichtiges Thema, da wir ja grundsätzlich mit den Hotelgästen zusammen essen. Nach dem Training spiele ich noch eine weitere Stunde Volleyball mit Gästen woraufhin schon wieder meine Kollegin aus der Requisite auf mich wartet. Heute bin ich zum Standbild eingetragen.  Bei dem unbewegten Standbild trägt man Showklamotten der jeweiligen abendlichen Show, platziert sich vor dem Restaurant und heißt die Gäste zum Dinner in Form eines Standbildes willkommen. Es ist unglaublich schwer für eine so quirlige Person wie mich eine halbe Stunde still zu halten und keine Mimik zu verziehen. Ein erlösendes Nicken des F&B-Managers erlaubt uns endlich einen Teller zu schnappen und ein schnelles Abendessen zu genießen. Anschließend treffen sich alle Showteilnehmer in der Requisite des Theaters um sich für die Show zu schminken, alle Requisiten und Kostüme nochmals zu checken und eventuell Tänze und Texte im Kopf durch zu gehen. Nun steht die große Premiere unserer neuen Show Elisabeth bevor. Standing Ovation und die grinsenden Gesichter der Showtrainer lassen uns wissen, dass wir Showteilnehmer einen tollen Job auf der Bühne gemacht haben. Alle stürmen aus dem Theater und nach dem Clubtanz der Mitarbeiter dürfen auch die Gäste mit uns zusammen unter freiem Sternenhimmel bei 25C° zu einem leckeren Cocktail tanzen. Jetzt weiß ich wieder, warum ich diesen Job so gerne mache.
Nach zwei Jahren Animation und drei Ländern später glaube ich nun zu wissen, warum dem Animateur immer noch ein Lotterleben nachgesagt wird. Oftmals sehen die Leute nicht, was für ein Aufwand hinter einer erstklassischen Animation steht. Eine gute Animation funktioniert nur mit einer hundertprozentigen Planung und bester Kommunikation. Vieles geschieht unbemerkt hinter den Kulissen. Aufwendige Shows werden stunden- und nächtelang geprobt, Dienst- & Programmpläne geschrieben, Kostüme geschneidert, Sportequipment bestellt, Kulissen gebaut und bemalt und noch viel, viel mehr.
Auch wenn diese zwei Jahre unglaublich kräftezerrend waren und ich mir heute nicht mehr wünsche als Animateurin zu arbeiten, erinnere ich mich gerne an einen Song von KRIS zurück, der mich während meiner Club-Zeit pausenlos begleitete:

Ich liebe diese Tage, egal wie scheiße sie waren, ich will mich nicht beklagen. Ich liebe diese Tage

Tamara Kutschan

Categories: Allgemein, Lifestyle, Reisen, Sport

4 Responses so far.


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