Ganz und gar auf Einwegverpackungen verzichten geht nicht? Denkst du! Münchens erster verpackungsfreier Supermarkt OHNE macht es vor und dir kinderleicht, beim Einkauf auf überflüssige Verpackungen zu verzichten.

Findest du es nicht absurd, dass zum Beispiel geschälte, klein geschnittene Früchte in Kunststoffschalen verkauft werden? Ich auch, deshalb möchte ich dir einen Bio-Supermarkt vorstellen, in dem es einfach keine Einwegverpackungen gibt.

Blick in den Laden: An den Lebensmittelspendern können trockene Lebensmittel abgefüllt werden. © OHNE Laden

Denn das Streben nach einem Alltag ohne Müll, das ist das Konzept von OHNE. Besonders beim Einkauf von Lebensmitteln fällt es nämlich immer wieder auf: Berge von Verpackungsmüll häufen sich an. Beinahe alles ist in Plastik verpackt, auch Lebensmittel, die schon eine eigene Verpackung haben.

Vor zwei Jahren, am 20. Februar 2016, öffnete OHNE – Der verpackungsfreie Supermarkt seine Türen in der Schellingstraße in München. Seine Inhaber Hannah Sartin, Christine Traub und Carlo Krauß haben sich durch Crowdfunding ihren Traum erfüllen können und möchten ihren Kunden zeigen, wie einfach es ist, Müll zu reduzieren und sogar ganz zu vermeiden. Sie sind der Meinung, dass jeder Schritt zählt, um unsere Umwelt positiv zu beeinflussen.

Als ob ein Supermarkt ohne Verpackungen auskommt …

Aktuell sind ca. 90% der gesamten Anlieferung von OHNE plastikfrei. Das funktioniert, weil vor allem mit Lieferanten aus dem Münchner Raum Mehrweglieferwege etabliert werden konnten, d.h. dass wiederverwendbare und gut zu reinigende Transportbehälter zur Lieferung genutzt werden. Den drei Gründern von OHNE liegt es am Herzen, dass die Lebensmittel möglichst regional und saisonal sind. Daher sind Lieferwege nur so lang wie nötig, zum Beispiel kommen Backwaren aus dem Nachbarviertel und Eier aus Moosinning bei Erding. Trotzdem gibt es Ausnahmen. Hannah erklärt im Interview, dass manche Produkte mit weiteren Transportwegen zum Qualitätserhalt in einer Vakuumverpackung kommen, z.B. Nusssorten, die importiert werden. In solchen Fällen werden Kundenwünsche nach Produkten und die nachhaltigste Bezugsquelle in Einklang gebracht. Die anfallenden Verpackungen werden dann weiterverwendet beim Produktversand des Onlineshops.
Zum OHNE-Einkaufen vor Ort bringst du entweder deine eigenen Behältnisse mit oder kannst dir Gläser, Lunch-Boxen und Stoffbeutel im Laden kaufen oder ausleihen. Zunächst werden die Behälter leer gewogen, dann kannst du dir Lebensmittel in deiner Wunschmenge abfüllen. An der Kasse werden sie erneut gewogen und das Leergewicht wird abgezogen, sodass du wirklich nur die Lebensmittel bezahlst.

Da hab ich doch bestimmt nicht so eine große Auswahl wie in meinem Supermarkt …

Auslage von frischen Backwaren © OHNE Laden

Das Sortiment von OHNE besteht aus trockenen Lebensmitteln, beispielsweise Nudeln, Reis, Müslis, Linsen und Erbsen. Außerdem gibt es Obst, Gemüse, Molkereiprodukte, Gewürze, Marmeladen, Süßigkeiten, Spirituosen und noch einiges mehr.
OHNE bietet dir aber auch plastikfreie Alternativen zu deinen Alltagsgegenständen an: So kannst du nicht nur, wie erwähnt, Behälter kaufen, sondern auch Hygiene- und Haushaltsprodukte. Von Zahnbürsten aus Bambus über wiederverwendbare Abschminkpads bis hin zu Shampoos und Waschmittel wird dir einiges geboten, um deinen Alltag müllfreier zu gestalten.

Ich würde ja gern dort einkaufen, aber das kann ich mir nicht leisten …

Im Vergleich zu Discounter-Preisen sind die OHNE-Preise sowohl für die Bio-Lebensmittel als auch für die Non-Food-Produkte höher. Das liegt daran, dass die Produkte größtenteils von kleinen Manufakturen und Familienbetrieben aus der Region stammen und somit ihre Preise durch ihre Wertschöpfungskette gerechtfertigt werden. Laut Hannah habe sich in Deutschland eine unrealistische Erwartungshaltung gegenüber Lebensmittelpreisen eingeschlichen, nach der alles möglichst günstig sein soll. Der tatsächliche Wert dieser Güter sei in Vergessenheit geraten. So niedrige Preise, wie wir sie gewöhnt sind, kommen nur zustande, weil jemand anderes als der Endverbraucher dafür auf der Strecke bleibt – zum Beispiel Arbeiter, die nicht fair entlohnt werden.
Obwohl die bei OHNE angebotenen Lebensmittel teurer sind als in herkömmlichen Supermärkten, berichten Kunden, dass sie trotzdem Geld sparen. Sie kaufen gezielter und nicht mehr so wahllos ein. Und sie sind nicht auf Mengenmaße angewiesen, durch die sie beispielsweise zum Kauf von 500 g Mehl oder 2,5 kg Kartoffeln gezwungen wären und die sie gar nicht aufbrauchen könnten.

Der OHNE Supermarkt zeigt, wie einfach es für uns Endverbraucher sein kann, auf Restmüll in unserem Alltag zu verzichten. Jeder verpackungsfreie Einkauf bedeutet weniger Verpackungsmüll, das ist so einfach wie es klingt. Und noch wichtiger: Jede einzelne Handlung zählt und wirkt sich positiv auf unsere Umwelt aus. Durch Läden wie OHNE wird aber auch dem Einzelhandel aufgezeigt, wie Müll vermieden und neue, nachhaltigere Wege gegangen werden können. Vielleicht mag es für den ein oder anderen nach mehr Arbeit, Mühe oder Umstellung der Gewohnheiten aussehen, aber wenn jeder ein bisschen dazu beiträgt, lohnt es sich. Findest du nicht?

Maren Bellon

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