Oft reicht schon ein Stein, um die Lawine ins Rollen zu bringen – oder in Zeiten der Sozialen Medien auch ein Tweet, Post oder Status-Update – und plötzlich ist ein Thema überall in den Medien. Die breite Masse lässt natürlich nicht lange auf sich warten: schnell ist das Thema in aller Munde. Aber wer ist ein echter Unterstützer, und wer ist nur Mitläufer?

#MeToo: fast jeder kennt den kontroversen Hashtag, der seit einiger Zeit die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ursprünglich Name einer bereits 2006 auf MySpace entstandenen Kampagne der Aktivistin Tarana Burke, wurde er im Oktober 2017 durch die Schauspielerin Alyssa Milano bekannt, als sie im Rahmen der Anschuldigungen gegen den Produzenten Harvey Weinstein alle Frauen weltweit dazu aufrief, ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung durch Männer zu teilen. Googelt man den Hashtag heute, erhält man innerhalb einer halben Sekunde über 150 Millionen Ergebnisse. Aber wie viele dieser Beiträge stammen von Leuten, die tatsächlich dadurch betroffen sind, und wie viele davon sind durch Mitläufer entstanden?

Dabei sein ist alles

Wikipedia definiert einen Mitläufer als eine „Person […], die an einer Gruppierung, Bewegung oder Strömung anschließ[t], ohne sich wirklich zu engagieren“. Damit ist eigentlich auch schon alles gesagt: ein Mitläufer ist zwar irgendwie dabei, aber nicht wirklich integriert, stattdessen folgt er nur blind der breiten Masse.

Psychologisch betrachtet ist Mitläufertum eigentlich sehr natürlich: wir Menschen sind darauf ausgelegt, uns an der Gruppe zu orientieren, umgekehrt wollen wir auf keinen Fall von der Gruppe ausgeschlossen werden. Wahrscheinlich kennt jeder das Gefühl: wir wollen ein Teil von etwas sein, wollen Dinge finden, mit denen wir uns identifizieren können, und andere Menschen, die unsere Erfahrungen teilen. Wir wollen zwar etwas Besonderes sein, aber gleichzeitig auch nicht alleine. Wir wollen als wichtiges und integriertes Mitglied unserer Gruppe dastehen. Und wie lässt sich das besser demonstrieren als durch unser Äußeres, auch wenn wir im Inneren nicht davon überzeugt sind?

Wenn man genau hinschaut, erkennt man in fast jeder Gruppierung Mitläufer, die nicht von ganzem Herzen dabei sind.

Seine Überzeugung leben

Es gibt einen großen Unterschied zwischen Menschen, die eine Überzeugung haben, und Menschen, die z.B. einen Modeartikel kaufen oder einfach etwas im Internet posten.

Eine Person, die wirklich hinter einem Thema steht, sich damit auseinandersetzt und sich dafür begeistert, erkennt man nicht zwingend am äußeren Erscheinungsbild. Natürlich kann dies ein Faktor sein, aber viel wichtiger sind Worte und Taten. Nur diejenigen, die ihre Überzeugung – ob diese jetzt politischer, religiöser oder anderer Natur ist – leben, sind authentischer Teil der Bewegung.

Aber was passiert, wenn viele Menschen optisch zu einer Gruppe gehören wollen, deren Meinung sie eigentlich gar nicht teilen oder die sie zumindest nicht wirklich interessiert?

Die Bedeutung von Mitläufern für eine Bewegung

Wird ein Thema zum Trend, hat das Konsequenzen, häufig allerdings weniger für die vielen Mitläufer, die die Gruppe „infiltrieren“, sondern vielmehr für die wirklich Überzeugten. Besonders bei gesellschaftlich relevanten Bewegungen kann es sein, dass Außenstehende die ganze Gruppe als unglaubwürdig sehen. Klar – wenn man viele Menschen trifft, die sich beispielsweise durch Kleidung einer Gruppe zuordnen, in der Praxis aber absolut nichts für die Interessen der Gruppe tun, bekommt man schnell das Gefühl, dies gelte für alle Mitglieder. Außerdem kann es vorkommen, dass die eigentlichen Ziele der Bewegung von Außenstehenden falsch interpretiert werden.

Ein gutes Haar muss man an den Mitläufern allerdings lassen, denn oft gilt: je mehr Involvierte, desto mehr Aufmerksamkeit. Und gerade bei politisch oder gesellschaftlich wichtigen Themen ist das meistens nicht verkehrt, denn für wirkliche Veränderungen braucht es in einer Demokratie bekanntlich das Interesse und die Akzeptanz der Mehrheit des Volkes.

Mitläufertum am Beispiel Feminismus

Das Wort Feminismus ist in letzter Zeit häufig gefallen, aber was bedeutet der Term eigentlich? Feminismus ist die Ideologie und Bewegung, die die traditionellen Geschlechterrollen hinterfragt und kritisiert und die Gleichstellung der Geschlechter in allen Bereichen fordert.

Anlässe wie der MeToo-Hashtag und die zahlreichen damit einhergehenden Vergewaltigungs- oder Belästigungsvorwürfe haben dafür gesorgt, dass Feminismus plötzlich wieder „in“ ist – nicht nur in den Medien. Vor allem Modegeschäfte haben die Chance erkannt und ergriffen, aus Feminismus Kapital zu schlagen. Plötzlich sieht man sie überall: größtenteils Teenager-Mädchen mit Handyhüllen, Taschen, T-Shirts und allen anderen erdenklichen Waren, auf denen in verschiedenen Varianten doch irgendwie das gleiche abgedruckt ist: ob We should all be Feminists, This is what a Feminist looks like oder auch einfach nur Feminist: die Botschaft bleibt dieselbe. ´Hey, guck mal, ich bin dabei, ich weiß, was abgeht, ich bin politisch engagiert!´

Die #MeToo-Kampagne im vergangenen Jahr war einer der Auslöser, der die Debatte um Feminismus wieder losgetreten hat.

Wenn man genauer darüber nachdenkt, hat so etwas jedoch wenig mit Feminismus zu tun: beispielsweise sind diese Modeartikel häufig unter schlechten Arbeitsbedingungen hergestellt worden und die Arbeiterinnen haben mit Diskriminierung, Belästigung und Vergewaltigung durch Vorgesetzte zu kämpfen: also genau den Problemen, gegen die sich Feministen weltweit einsetzen. Könnte ein „echter“ Feminist so etwas mit seinem Gewissen vereinbaren?

Natürlich zieht Verhalten wie dieses Konsequenzen mit sich: häufig wird Feminismus als Witz abgetan (zum Beispiel sagen manche: „Frauen sind nur so lange Feministen, bis sie den Einen finden“) oder das eigentliche Ziel des Feminismus wird gar nicht erst wirklich klar – viele Leute stempeln Feministen als „Männerhasser“ ab. Es gibt zwar, wie bei so ziemlich jeder Gruppierung, Radikale, auf die dieser Begriff vielleicht zutreffen mag, aber mit den eigentlichen Zielen hat das wenig zu tun. Kommen zusätzlich zu den Radikalen auch noch Mitläufer, die die Absichten der Bewegung selbst nicht so genau erklären können – schließlich folgen sie nur einem Trend –, ist es nicht schwer, ein falsches Bild zu bekommen.

Auch wenn das Thema Feminismus in letzter Zeit sehr viel Aufmerksamkeit erregt hat – zweifelsohne auch durch die zahlreichen Mitläufer –, bekommt man den Eindruck, dass sich das eigentliche Ziel im Sande verläuft: zuerst kam die #MeToo-Debatte, die sich dann auf Feminismus allgemein ausgeweitet hat, aber zu wirklichen Veränderungen, z.B. Lohngleichheit, hat das noch nicht geführt.

Zukunftsausblick

Was wird also aus der Feminismus-Bewegung, wenn sie so sehr von Mitläufern beeinträchtigt wird? Eins ist klar – sobald das Thema nicht mehr im Trend liegt, werden viele der Mitläufer „abspringen“ und sich etwas Neues suchen. Dann liegt es am authentischen Kern der Gruppierung, ob sie Veränderung in der Gesellschaft schaffen können.

 

 Juliana Kröger

 

Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Mitl%C3%A4ufer

https://de.wikipedia.org/wiki/MeToo

https://www.google.de/search?q=feminismus&oq=feminismus&aqs=chrome..69i57j0l5.1223j1j7&sourceid=chrome&ie=UTF-8#

Categories: Allgemein, Lifestyle, Medien

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