Kuriose Gerüchte und wilde Spekulationen ranken sich um das, was unsere Gesellschaft in hitzige Diskutierer, entschiedene Gegner oder verträumte Regenbogensucher teilt. Kaum etwas scheint unsere Meinungsbildung so sehr anzuregen, wie das, was jeder von uns unter „Glaube“ versteht. Nun gebe ich, Viktoria Mattler, 19, also auch meinen Glauben dazu. 

Ich kann Dir hier keinen Beweis liefern, dass es Gott gibt, und Du wirst womöglich nicht an Gott glauben, nachdem Du das gelesen hast, wenn Du es vorher nicht getan hast. Ich behaupte allerdings, dass die Grundhaltungen, die meinen Glauben ausmachen, der Vernunft und dem Verstand jedes Menschen zugänglich sind und nachvollzogen werden können, wenn man sich Ihnen ohne Vorurteile öffnet. Vor kurzem kam die Verfilmung des Romans „Die Hütte – ein Wochenende mit Gott“ von William P. Young in die Kinos, der eines der ersten Werke darstellt, die der „Aufklärung des Glaubens“ dienen, wie ich das nennen würde, was seit Jahren nötig ist. Nämlich zu versuchen, alte Gottesbilder aus dem Weg zu räumen, Vorurteilen entgegen zu wirken und richtige Interpretationen der Bibel sowie der Botschaft Gottes zu verbreiten. Um deutlich zu machen, dass diese nur Vorteile für jeden von uns mit sich bringt, muss man sie als Gegensatz zu unserem gegenwärtigen Wertverständnis anführen.

Wie sehen Gläubige aus?

Mein Leben, das Leben anderer Menschen und unsere Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten, macht für mich „Glauben“ aus. Es ist mehr ein Bewusstsein, aus dem sich Verhalten ganz automatisch ergibt, als ein Regelkatalog, dessen Punkte ich abarbeiten muss. Das heißt gleichzeitig, der Glaube eines Menschen kann nie an äußeren Merkmalen abgelesen werden. Oft, wenn ich neue Leute kennenlerne und ihnen erzähle, dass ich ein gläubiger Mensch bin, folgt darauf erstauntes Schweigen, Lachen oder Unverständnis. Ich bin 19, finde Markenklamotten geil und gehe viel feiern, weshalb ich sonntags meistens lieber ausschlafe oder brunchen gehe, statt mich in die Kirche zu quälen. Meine Freunde studieren Informatik, BWL oder Jura und ich habe nicht alarmierend wenige davon. Ich entspreche nicht dem Klischee eines gläubigen Menschen und das scheint viele aus der Fassung zu bringen. Das Problem ist allerdings nicht die Existenz meines Glaubens, sondern das Bild, was die Menschen davon haben. Es geht grundlegend um das Gefühl, sich angenommen zu fühlen. Mit der Gewissheit, dass das Leben, egal was man anstellt, nie mehr sinnlos werden kann, gestaltet man es frei, wie es einem persönlich gefällt. Ob das nun bedeutet, gerne zu lesen, modebegeistert zu sein, Alkohol zu trinken oder auf One Night Stands zu stehen, hat mit dem Glauben nichts zu tun. Der Glaube ist nur die Grundlage meiner Handlungen, weil er mir die Freiheit gibt, mich ohne Wettkampf im Sinne meines Individuums auszuleben.

Glaube und Frieden

Freies Handeln meint dabei den Handlungsspielraum, bis ich anderen Menschen mit meinem Verhalten Unrecht tue oder Schaden zufüge. Wenn man sich das einmal genauer überlegt, wird man feststellen, dass Unrecht und Schmerzen häufig dort entstehen, wo Menschen sich gegenüber anderen Menschen im Vergleich bewähren müssen und sich daraufhin Neid, Gier und Vergeltungswünsche entwickeln können. Gott kann also für den Ursprung des Leidens in unserer Welt eine Lösung anbieten, nicht jedoch die Tatsache verändern, dass das Leiden existiert. So kann man auch argumentieren, wenn es um die sogenannte „Theodizee“-Frage geht, die Frage, warum Gott nicht in unsere Welt eingreift und alles Negative, wie Verbrechen, Krankheit oder Kriege einfach beendet, wenn er doch allmächtig ist. Gott ist eben nicht allmächtig. Gott ist Liebe. Und die nimmt den Menschen nicht das Recht auf einen freien Willen. Würde Gott beginnen Verbrechen zu verhindern oder Geld umzuverteilen, würde er seinen Anspruch jeden von uns bedingungslos zu lieben, unabhängig von dem, was aus ihm wird, zunichtemachen. Entsprechend seiner Natur kann er die Menschen lediglich einladen, sich Ihre Schöpfung bewusst zu machen und in deren Sinn zu handeln.

Die Alternative: Gott.

Gott hat keine Zielgruppe. Die Vorstellung von einem Gott, der als aktiver Richter über unserer Welt steht und gute gegen schlechte Taten aufwiegt, ist ein von menschlicher Machtgier getriebenes Druckmittel der früheren Kirche, um die Gesellschaft zu beeinflussen. Menschen, die die von der Kirche ausgegebenen Regeln und Verhaltensmuster befolgen, haben demnach bessere Chancen in die Gunst von Gott zu kommen. In der Folge haben sich Vorurteile manifestiert, die unter Anderem Gott und Religion gleichsetzen oder behaupten, dass nur an Gott glauben darf, wer auch religiös ist. Der Beitritt zu einem Skiverein macht Dich aber nicht zu einem guten Skifahrer und gut Ski fahren können nicht nur Vereinsmitglieder. Was macht Glauben also aus?

Die bewusste Entscheidung für Liebe statt Hass im Umgang mit anderen Menschen, die Intention aus Liebe zu tun, was Du tust, ob es nun Hobbies, Arbeit oder sonstige Aktivitäten sind und vor allem die Empfindung von Liebe für Dich selbst als individuelle Person. Natürlich kann man Liebe nicht definieren. Für mich als gläubiger Mensch lautet die größtmögliche Assoziation mit Liebe deswegen Gott. Gottes Liebe hat die bedingungslose Eigenschaft, so vehement an das Gute in Dir zu glauben und ohne Ausnahme darauf bedacht zu sein, dass Du glücklich bist, dass sie Dir alles verzeihen kann und niemals aufhört, Dich als wertvollen Menschen anzusehen. An eine solche Liebe für Dich und alle anderen Menschen zu glauben, ist also der Kern des Glaubens an Gott selbst.

Der Glaube an Gott hat mir auch den Glauben an mich selbst gegeben. Ich glaube an Liebe als Maßstab für die Welt, weil ich im Vorbild von Gottes Liebe einen Schlüssel zum Weltfrieden sehe. Die Erde, meine Person sowie alle anderen Menschen sind Träger dieser Liebe. Darüber definiert sich für mich der Sinn meines Lebens. Träger von Liebe zu sein. Meinen Wert kann ich Zeit meines Lebens nicht vermehren oder –mindern, weil die Art, wie ich mich täglich entwickle, keine Auswirkung auf diesen Wert hat. Der Sinn meines Lebens besteht darin, von Gott geliebt zu werden, so wie Vögel fliegen, weil sie dazu geschaffen sind. Meine Bestimmung ist schon mit meiner Geburt erfüllt.

Mit Gottes Liebe als Ausgangspunkt hat Glaube Auswirkung auf sämtliche Aspekte der Begegnung eines Menschen mit anderen Menschen und der Welt. Der Roman „Die Hütte – ein Wochenende mit Gott“ ist, meiner Meinung nach, eine gelungene Komposition aus moderner Glaubensinterpretation und einer berührenden Geschichte. Angesichts dessen, dass ich in diesem Rahmen unmöglich auf alle Verbindungen von Glaube und unserem Leben eingehen hätte können, kann ich nur das Buch allen wärmstens ans Herz legen, die neugierig sind, was Glaube noch alles zu bieten hat und die sich weiterführend mit Glaubensphilosophie auseinandersetzen möchten. Es kann ein Einstieg sein, zu einer unerschöpflichen Quelle an wohltuenden Gedanken und Gesprächen und vielleicht ein Zugang zu einer neuen Art zu leben, „denn, die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft, sie bekommen Flügel wie Adler. Sie laufen und werden nicht müde, sie gehen und werden nicht matt.“ (Jesaja, 40:31)

von Viktoria Mattler

 

Categories: Allgemein, Bildung, Kultur

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