Anzeigenblätter – fast immer werden sie und ihre Wirkung unterschätzt. Dabei spielen sie in der Medienlandschaft eine entscheidende Rolle, denn was kaum jemand weiß: Es gibt gleich mehrere Vorteile, die sie von anderen (Print-)Medien abhebt.

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Laut einer Statistik des BVDA (Bundesverband deutscher Anzeigenblätter) zu den Medienumsätzen war 2017 im Vergleich zum Vorjahr trotz eines leichten Umsatzrückgangs ein gutes Jahr. Denn mit einem Nettogesamtumsatz von knapp 1,8 Milliarden Euro, stehen sie als drittumsatzstärkstes Medium knapp hinter Fernsehen und Tageszeitungen. Seit vielen Jahren sind Anzeigenblätter sehr gefragt und das ist keinesfalls verwunderlich.

Um jedoch weiter in das Thema einsteigen zu können, sollte zuerst die wichtigste Frage geklärt werden: Was sind Anzeigenblätter überhaupt und inwiefern unterscheiden sie sich von anderen Medien, wie Zeitungen oder reinen Werbeblättern? Anzeigenblätter sind eine eigene Form der Publikation und lassen sich nicht zu hundert Prozent normalen Tageszeitungen oder Werbeblättern zuordnen. Sie enthalten – wie man vom Namen bereits ableiten kann – zum überwiegenden Teil Anzeigen. Durch Kleinanzeigen welche auch Fließsatz genannt werden, sowie Rahmenanzeigen, die hauptsächlich von Firmen geschaltet werden, erwirtschaftet der Verlag seinen gesamten Umsatz. Der Leerraum zwischen den Anzeigen ist zwar auch mit redaktionellem Inhalt zu verschiedenen Themen, wie Gesundheit, KFZ-Markt oder Bildung gefüllt, jedoch wird das Anzeigenblatt nicht an die Kundschaft verkauft. Stattdessen wird dieses jede Woche zu den Erscheinungstagen, überwiegend mittwochs und samstags, kostenlos an alle im Verbreitungsgebiet befindlichen Haushalte verteilt. Da stellt sich natürlich die Frage, wie eine Firma ohne Verkaufseinnahmen sondern nur von den Anzeigenerlösen überleben kann. Gerade im digitalen Zeitalter, in dem sehr vieles nur noch über ein paar Mausklicks abläuft, sind sich viele der Vorteile von Anzeigenblättern nicht oder nicht mehr bewusst. Dabei gibt es einige Gründe, warum man die Wirkung nicht unterschätzen sollte.

 

Anzeigenblatt als „Nachbar“

 

Ein Vorteil von Anzeigenblättern gegenüber von herkömmlichen Zeitungen ist definitiv die Stadtteil-Bezogenheit der Publikationen. Die meisten Anzeigenblätter erscheinen an ein bis zwei Tagen die Woche in verschiedenen Stadtteilen, so kann es vorkommen, dass ein einziger Verlag bis zu 20 verschiedene Blätter herausbringt. Diese verschiedenen „Versionen“ sind vom Aufbau und einigen Anzeigen her oftmals identisch. Sie unterscheiden sich allerdings in einem wichtigen Punkt: Der redaktionelle Teil ist stadtteilbezogen unterschiedlich, da Neuigkeiten und auch bevorstehende Veranstaltungen von Ort zu Ort variieren. Das ist natürlich sehr praktisch, denn so findet der Leser alle wichtigen Informationen auf einen Blick, während er sich in anderen Zeitungen und online sonst alles einzeln mühsam zusammensuchen müsste. Darüber hinaus unterscheiden sich auch einige der Anzeigen von Ausgabe zu Ausgabe. So finden sich beispielsweise auf der Handwerker- Seite Dachdecker oder Maler aus der direkten Umgebung. Das schafft Vertrauen und stärkt die Verlags-Leser-Bindung enorm. Denn so wird das Gefühl des Nahbaren vermittelt und die Zeitung erscheint nicht mehr als Quelle über allem, sondern eher als „Nachbar“, der sich um die Bedürfnisse der Bürger sorgt. Und genau so jemanden brauchen vor allem ältere Menschen. Jemanden, auf den sie sich verlassen können. Vor allem, da es für diese vermehrt schwieriger wird, sich auf die heutigen Medien einzustellen. Da wird lieber auf Altbewährtes zurückgegriffen, denn wer den Großteil seines Lebens Zeitung gelesen und sich zum Beispiel bei der Jobsuche auf Printmedien beziehen musste, weil es schlichtweg nichts anderes gab, dem fällt es meist schwer, diese feste Größe loszulassen und sich ein anderes, neueres Medium zu suchen. Und genau diese Mentalität spielt für die Existenz von Anzeigenblättern eine entscheidende Rolle.

 

Schnelle Suchergebnisse ohne Stress

 

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Hinter vorherigem Argument verbirgt sich auch noch eine Chance, die der jüngeren Generation zugutekommt. Und zwar lässt sich diese im Bereich der Wohnungsanzeigen immer wieder beobachten. Viele Immobilien, sei es zum Kauf oder nur zur Miete, werden von älteren Menschen angeboten. Das ist kein großes Geheimnis. Da für diese Menschen der Aufwand und Stress, der mit einer Online-Anzeigenaufgabe verbunden ist, oft zu hoch ist, wird meist zuerst zum Anzeigenblatt gegriffen. Und genau da lässt sich das Problem der Wohnungssuche für den ein oder anderen leicht lösen. Diese Menschen mit einer Immobilie finden durch ein bisschen Blättern einige Mietgesuchs-Anzeigen in ihrer Nähe und somit meist den nächsten Mieter schon auf den ersten Blick – im wahrsten Sinne des Wortes. Das erspart beiden Parteien Enttäuschungen oder gar unangenehme Überraschungen, wie Telefonterror. Jedoch nicht nur Immobilienanzeigen lassen sich in Anzeigenblättern finden. Es gibt auch viele weitere Rubriken, wie Stellenanzeigen, der Gesundheitsteil oder Apotheken-Notdienst. Und das, ist im Vergleich zu den zahlreichen Online Angeboten ein weiterer Vorteil. Wer kennt es nicht, man sitzt vor dem Computer, Handy oder Tablet, man sucht nach etwas und findet Hunderte Suchergebnisse. Da das Passende zu finden, fällt oft sehr schwer. Bei Anzeigenblättern mit Rubriken ist dies schon etwas einfacher. So findet man alles mit einem einzigen Seitenaufschlag. Sofort verfügbar, auch ohne zu warten, bis sich der PC hochgefahren hat.

Um jedoch auch in schwierigeren Zeiten ein zusätzliches Standbein zu haben, haben mittlerweile viele Anzeigenblatt-Verlage einen verstärkten Online-Auftritt. Zwar bleibt der Fokus nach wie vor auf den Printausgaben, jedoch versucht man mit verschiedenen weiteren Angeboten gerade bei der jüngeren Generation, wo das wöchentliche Lesen der Anzeigenblätter nicht mehr Gang und Gäbe ist, das Interesse zu wecken. So wird beispielsweise der Leserkreis durch die Bereitstellung der sogenannten ePaper (elektronischen Zeitungen), zusätzlichen Gewinnspielen, die es nur online zu finden gibt oder die direkte Verlinkung zu Social Media Kanälen weiter verstärkt. Ob der Umsatz allerdings konstant derart hoch bleiben wird, kann nur die Zeit zeigen. Relativ sicher ist jedoch, dass Anzeigenblätter auch in den nächsten Jahren nicht aus dem Repertoire der Medienlandschaft verschwinden werden. Denn wie wir jetzt wissen: Anzeigenblätter sind unverzichtbar!

 

Autor: Désirée Dunse

 

Categories: Allgemein, Medien

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