Spieglein, Spieglein in meiner Hand. Wer ist die Schönste im Selfie Land?

Jeder kennt sie mittlerweile: die Selbstporträts mit dem Smartphone, „Selfies“.

© Gräfin Pauline Berghe von Trips

Entstanden ist eine Sucht. Eine Sucht nach Bewunderung in Form von „Likes“. Eine Sucht nach Feedback in Form von Kommentaren. Eine Sucht nach künstlicher Selbstdarstellung. Vor allem jungen Mädchen und Frauen ist die Selbstinszenierung in den sozialen Netzwerken wichtig. Die Anzahl der Likes ist die Belohnung und der Push für weitere. Dabei sind doch echte Komplimente immer noch viel besser, als Likes oder Kommentare unter Bildern.

Wenn wir mal ehrlich sind hat Aussehen in unserem Leben Priorität. Vor allem für uns Frauen. Es war uns schon immer wichtig, dass uns unser Spiegelbild gefällt. An dieser Tatsache hat sich nicht wirklich etwas verändert. Der Spiegel der Menschen heißt heute Smartphone. Mit Hilfe von zahlreichen Funktionen oder Apps lässt sich aus „pfui“ „hui“ zaubern.

 

Aber: „Muss denn wirklich alles besser werden, um gut genug zu sein?

Weiter, schneller, höher damit es endlich reicht.

Wie sollst du denn besser werden, wenn’s so schwer ist, man selbst zu sein?“ Yvonne Catterfeld – Besser werden (Lyrics)

Seit wann präsentiert man sich selbst derart häufig und schon fast zwanghaft? Und das größtenteils im Internet. Einige Forscher konnten zeigen, dass Menschen, die viele Selfies von sich posten, zu einem hohen Anteil Persönlichkeitsmerkmale haben, die gar nicht so hübsch sind: Selbstsucht und Narzissmus.

Alleine auf Facebook werden jede Sekunde circa 3000 Fotos hochgeladen, das sind 259 Millionen Fotos am Tag. Instagram zählt täglich 20 Millionen neue Bilder. Weil es ist nun einmal so: Ein Foto hält einen Moment für die Ewigkeit fest. Und diese wollen wir zeigen. Am liebsten der ganzen Welt. Mindestens aber unseren „Freunden“ in sozialen Netzwerken.

Das, was man erlebt, kann man nicht einfangen. Meer zu fotografieren klappt nicht, weil man die Wärme nicht spüren, den Wind nicht riechen, die Weite und Größe und das Gefühl des Daseins am Meer nicht einfangen kann. Das kann nur der Kopf. Sich erinnernd an die Eindrücke, an die Geräusche, an die Emotionen. Ein Foto ist ein Anker für die Erinnerung an das, was besonders war. Das Selfie ist da einfacher gestrickt. Es ist immer das gleiche Bild vor wechselnder Kulisse.

Das Selfie entwertet den Ort, weil es den Fokus unserer Sinne auf das Selbstbild verschiebt  – Absolut Perspektiven verzerrend. Es ist der Wandel der Selbst- und Weltwahrnehmung. Leider verändert es auch das Erleben der Welt. Der Selfie-Fotograf wählt Position und Perspektive danach aus, wie sie zur Selbstdarstellung taugen. Der Hintergrund ist da eher sekundär und austauschbar.

© Pixabay

Das Selfie vereinfacht damit alles: den Moment, das Gefühl, den Ort. Alles, was beim Selfie zählt, ist vordergründig – das Motiv, auf das wir fokussieren, das Gefühl, das abgebildet wird. Denn das ist immer das Gleiche und immer eine Inszenierung: Spaß. Party. Posen. Krasse Gesten.

Der Übereifer nach Selfies ist mittlerweile offiziell als psychische Störung anerkannt worden. Das ist für Selfie-Süchtige kein Spaß mehr oder Angeberei. In diesem Fall spricht man von einer seelischen Krankheit. Ich knipse, also bin ich. Es fehlen die wesentlichen Gefühle für das eigene Sein.

Kritisch wird es, wenn die Person die Aufmerksamkeit braucht, um sich vollständig zu fühlen. Werden eigene Selfies nicht genug anerkannt, ist das für Betroffene ein Schlag gegen das Selbstbewusstsein. Sie verhalten sich selbstzweifelnd bis depressiv. Wenn jemand sich andauernd fotografieren muss, kann es durchaus zu einer Verwechslung zwischen wahrer Identität und dem Image nach außen führen.

Halten wir fest: Wer sich selbst darstellt, ist ein Narzisst und wer im Internet omnipräsent ist, dem wird ein Aufmerksamkeitsdefizit nachgesagt. Aber ist das denn schlimm? Nicht unbedingt, denn die wenigsten Menschen sind mit sich selber zufrieden. Laut Psychologen suchen wir alle ständig nach Bestätigung. Also geben wir es zu: Uns allen schmeichelt es, wenn auf Facebook ein neuer Kommentar unter dem veröffentlichten Selfie erscheint. Denn irgendwie sind wir doch alle Narzissten.

Gabriella  Gollob

Categories: Allgemein, Lifestyle

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