Jeder von uns kennt Michael Schuhmacher, die deutsche Nationalmannschaft oder Wladimir Klitschko. Alle genannten sind bekannte Weltmeister. Es gibt aber Sportler, die sich genauso anstrengen und erfolgreich sind und dennoch unbekannt bleiben. Dies liegt an den ruhmlosen Sportarten. Unter anderem gehört hier Speedway dazu.

Speedway ist eine Motorsportart. Die Rennen finden auf einer Ovalbahn statt. Die dafür gebauten Maschinen ähneln Motorrädern besitzen aber keine Bremse. Zum Stehen kommen die Fahrer, indem sie die Maschinen ausrollen lassen und mit ihren Schuhen, die Stahlkappen besitzen, am Boden bremsen. Vier bis sechs Rennfahrer aus denselben Klassen starten gleichzeitig. Die Klassen sind nach Alter und Kubikzentimeter (ccm) des Motors eingeteilt. Vier Runden fahren die Speedwayfahrer auf einer 300 bis 400 Meter langen Bahn. Diese Sportart wirdgrößtenteils in Polen, Australien, England, Schweden und in den Vereinigten Staaten ausgeübt.

Der 16-jährige Tim Wunderer übt seit neun Jahren diese gefährliche Sportart beim Motorsport-Club Olching (MSCO) aus. Er hat schon einige Gewinne verzeichnet. Im Mai 2016 in Polen, bei der FIM Track Racing Youth Gold Trophy, erhielt er den Weltmeistertitel. Bei dem 125 ccm Rennen,gewann er vier von fünf Vorläufen sowie das Halbfinale. Beim Finale zählten die vorherigen Punkte nicht mehr. Den Endlauf entschied er für sich und siegte somit. Tim berichtet nun über seinen Sport.

Theresa Gail: Wie bist du zu Speedway gekommen?

Tim Wunderer: Durch den Freund von meinem Papa, Andreas Schapfl, einen ehemaligen Speedwayfahrer. Er hat uns ein Rennen gezeigt und mir hat der Sport sofort gefallen. Andreas organisierte ein Schnuppertraining und seitdem fahre ich. Anfangs in der 50ccm dann in der 125ccm und inzwischen in der 250ccm Klasse.

Theresa Gail: Welche großen Titel hast du bereits gewonnen?

Tim Wunderer: Ich bin Deutscher Meister in der 50ccm und in der 125ccm Klasse und Weltmeister in der 125ccm Klasse.

Theresa Gail: Wie steht deine Familie zu der Sportart?

Tim Wunderer: Gott sei Dank steht sie seit Anfang an hinter mir. Es steckt sehr viel Arbeit und Zeit hinter dem Hobby. Ob Motorrad putzen, schrauben in der Werkstatt oder die langen Fahrten, meine Familie unterstützt mich immer.

Theresa Gail: Wo findet das Training und die Rennen statt?

Tim Wunderer: Das Training findet beim MSC Olching und die Rennen deutschland- oder europaweit statt. Also müssen wir weite Wege zurücklegen. Was mir meine Familie ermöglicht. Es kann schon mal vorkommen, dass wir das ganze Wochenende unterwegs sind.

Theresa Gail: Wie sieht es mit Sponsoren aus?

Tim Wunderer: Sponsoren sind sehr schwer zu gewinnen, da die Sportart nichtgenügend Präsenz besitzt. Deshalb muss man Speedway fast komplett selbst finanzieren. Eine Maschine kostet bis zu 10.000 Euro. Bei Reisen oder Reparaturen entstehen oft zusätzlich hohe Kosten.

Theresa Gail: Erhält man als Speedway Fahrer Preisgelder?

Tim Wunderer: In den kleineren Klassen erhält man so gut wie kein Preisgeld. Lediglich manchmal Benzingeld. Die höheren Klassen bekommen dagegen welches. Jedoch reicht dieses bei weitem nicht aus. Oft deckt das Geld nur einen Teil der entstanden Kosten ab. Deshalb sind bei dieser Sportart Sponsoren unglaublich wichtig.

Theresa Gail: Hattest du schon Augenblicke in denen du Angst hattest und aufhören wolltest?

Tim Wunderer: Nein,darüber habe ich noch nie nachgedacht. Beim letzten Rennen hatte ich einen Unfall, das Motorrad hatte einen Totalschaden, ich dagegen nur einen Kapselriss. Hier kann viel Schlimmeres passieren, da man mit hohem Tempo fährt. Trotz allem macht mir diese Sportart sehr viel Spaß.

Theresa Gail: Wie beschreibst du das Gefühl, als du über die Ziellinie gefahren bist und den Weltmeister-Titel geholt hast?

Tim Wunderer: Ein geiles Gefühl. Am Anfang habe ich es noch gar nicht glauben können. Erst als ich an den Boxen vorbei war. Ich sah, dass alle jubelten, dann war es mir klar. Als ich auf dem Siegertreppchen stand, empfand ich ein Wahnsinnsgefühl.

Theresa Gail: Wussten viele darüber Bescheid und berichtete man über deinen Erfolg?

Tim Wunderer: An diesem Tag gab es eine Live-Stream von allen Rennen in YouTube. Als ich zurück ins Hotel gekommen bin, bekam ich schon ein paar Glückwunsch Nachrichten. Meine Freunde, Familie und Mitschüler freuten sich sehr für mich. Die regionale Tageszeitung, Süddeutsche Zeitung und der Münchner Merkur berichteten von meinem Sieg. Der Motorsport-Verein zeichnet mich darauf hin als Junioren-Motorsportler des Jahres aus.

Theresa Gail: Wie stellst du dir die Zukunft mit dieser Sportart vor?

Tim Wunderer: Die Weltmeisterschaft, war mein letztes Rennen auf der kleineren Maschine. Somit hatte ich 2016 einen Umstieg auf die 250er Klasse, die ist schon wuchtiger. Die Motoren haben 45 statt 20 PS also erzielen sie bis zu 120km/h auf der Bahn. Jetzt möchte ich einfach Spaß daran haben, gesund bleiben und erfolgreich sein. Ich träume davon, diese Sportart als Profi auf einer 500ccm-Maschine aus zu üben. Wenn ich aber davon leben möchte, muss ich ganz oben mitfahren.

Theresa Gail: Ich danke dir, dass du dir für meine Fragen Zeit genommen hast.

 

Es steckt sehr viel Arbeit und Aufwand hinter dieser Sportart. Ich hoffe, dass Speedway in Zukunft bei mehr Menschen Interesse weckt und generell bekannter wird. Außerdem wünsche ich Tim weiterhin viel Spaß, Glück und Erfolg bei seinen Rennen. Vielleicht zählt Tim Wunderer ja auch eines Tages zu bekannten Sportlern und Weltmeistern, wie Fabian Hambüchen, Laura Dahlmeier und Nikolai Dawidenko.

 

05.07.2017 Theresa Gail

Categories: Allgemein, Lifestyle, Sport

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