Weite Strände, atemberaubende Sehenswürdigkeiten, Studenten, die sich eine Auszeit in der Ferne gönnen und eine fremde Sprache lernen. Natürlich sind das alles Dinge, die mit dem Erasmus-Programm zusammenhängen, doch letztendlich steckt dahinter vieles mehr. Und davon profitieren nicht nur Studenten!

Nach dem Auslandssemester nahmen eine Freundin und ich am Tutorenprogramm unserer Uni teil, um neue Austauschstudenten zu betreuen. Wir füllten also fleißig unsere Bewerbungen aus, gaben Fremdsprachenkenntnisse in Französisch, Englisch und Japanisch an und warteten gespannt auf unsere zugeteilten Schützlinge. Letztendlich wurden uns BWL-Studentinnen aus Polen und Korea zugeteilt. Wir hatten weder Ahnung von ihrem Studienfach, noch von ihren Sprachen. Dementsprechend waren wir vor dem ersten Zusammentreffen ziemlich nervös. Worüber sollten wir uns mit ihnen unterhalten und würden wir uns überhaupt richtig verständigen können?

Ich war deshalb umso überraschter, als ich mich mit Kasia aus Polen traf, sofort mit perfektem Deutsch begrüßt und in ein super nettes Gespräch verwickelt wurde. Mit der Zeit wurde aus einem Mädchen, das ich allein vermutlich nie kennengelernt hätte, eine gute Freundin, mit der ich immer noch in Kontakt stehe. Genau solche kleinen Erlebnisse zeigen für mich das, was Erasmus ausmacht. Das Programm fördert nicht nur die Bildung junger Leute, sondern bringt Menschen aus der ganzen Welt in einer großen Community zusammen, egal welcher Kultur sie angehören. Um möglichst vielen Menschen die Möglichkeit zu geben, ein Teil dieser Gemeinschaft zu werden, wurden unter dem Erasmus-Programm viele neue Ideen umgesetzt.

Seit mehr als 30 Jahren bringt Erasmus mittlerweile Menschen aus der ganzen Welt zusammen.

 

Neue Chancen durch Erasmus+

Im Jahr 1987 startete die EU das Förderprogramm Erasmus, das ursprünglich nur für Studenten und Lehrkräfte von Hochschulen zugänglich war. Seitdem nahmen über 9 Millionen junge Menschen daran teil. Statistiken zeigen, dass Absolventen des Programms bessere Karrierechancen haben (vor allem in internationalen Kontexten), denn durch die Globalisierung sind Fremdsprachenkenntnisse und interkulturelle Kompetenzen gefragter denn je. Diese Ergebnisse warfen eine wichtige Frage auf: Sollten wirklich nur Studenten eine Förderung durch Erasmus bekommen oder könnten auch Berufstätige davon profitieren?

Fast 30 Jahre später, im Jahr 2014, wurde das Programm deshalb komplett überarbeitet und bietet seitdem unter dem neuen Namen Erasmus+ weitere Austauschprogramme an – auch im Bereich der beruflichen Bildung. Die Auslandsaufenthalte dauern zwischen zwei Wochen und sechs Monaten und können in 33 verschiedenen Ländern absolviert werden. Das Bewerbungsverfahren läuft dabei über die jeweilige Bildungseinrichtung. Auch die Berufsschule für Medienberufe nimmt an diesem Programm teil und bietet Auslandspraktika in Großbritannien, Spanien, Irland, Finnland, Malta und Österreich an, die entweder während der Ausbildung oder nach den Abschlussprüfungen stattfinden können.

 

Erasmus+ geht online

Dass diese Chance nicht jeder nutzen kann, haben auch die Leiter des Projekts erkannt. Deshalb wurde die Plattform Erasmus+ Virtual Exchange entwickelt, die im Laufe des Jahres 2018 Schritt für Schritt an den Start gehen soll. Ab Mai sollen die ersten Diskussionen per Videochat stattfinden. Dabei werden die Teilnehmer aus verschiedenen Ländern zusammengewürfelt, um über verschiedene Themen zu diskutieren, Sprachkenntnisse zu vertiefen und sich über kulturelle Unterschiede auszutauschen –  ohne ihr Heimatland überhaupt zu verlassen. In den nächsten Monaten kommen verschiedene Projekte hinzu, wie zum Beispiel interaktive Online-Kurse, bei denen auch Themen wie die Flüchtlingsdebatte in Europa eine Rolle spielen sollen. Die Plattform richtet sich hauptsächlich an junge Leute und ist für jeden im Alter von 18 bis 30 Jahren zugänglich. Einzige Voraussetzung: man muss in einem der teilnehmenden Ländern leben.

 

ESN – das Netzwerk für internationale Begegnungen

Das Erasmus Student Network (kurz: ESN) ist Europas größte Studentenorganisation mit lokalen Verbänden in fast jeder Universitätsstadt. Natürlich auch in München. Zu den Aufgaben dieser Organisation zählen vor allem die Unterstützung und Integration neuer Studenten, aber auch die Beratung bei Fragen rund um das Thema Erasmus.

Neben dem Tutorenprogramm, über das ich meine Freundinnen aus Polen und Korea kennenlernen durfte, plant das ESN jede Menge internationale Partys, Exkursionen und andere Veranstaltungen, an denen nicht nur Studenten teilnehmen können. Im Vordergrund dieser Veranstaltung stehen vor allem Spaß und der Kontakt mit anderen jungen Leuten aus verschiedenen Ländern. In München veranstaltet das ESN zum Beispiel einen wöchentlichen Karaokeabend. Hier kommt man bei ein paar Drinks und internationaler Musik schnell mit anderen Menschen ins Gespräch. Außerdem gibt es kaum etwas Unterhaltsameres, als sich beim Karaoke mit den Profis aus Japan zu messen!

 

In München finden regelmäßig Stammtische statt, bei denen sich Menschen aus verschiedenen Ländern austauschen können.

Was München sonst noch zu bieten hat

Auch außerhalb der Universitäten und Hochschulen organisiert Erasmus viele Veranstaltungen, die den kulturellen und sprachlichen Austausch fördern. Der schnellste Weg Menschen aus aller Welt kennenzulernen, sind internationale Stammtische. Sie dienen vor allem dem Zweck, dass Berufstätige nach der Arbeit in einer gemütlichen Atmosphäre die Möglichkeit bekommen, neue internationale Kontakte zu knüpfen. In München gibt es eine Vielzahl an solchen Veranstaltungen, die entweder auf eine Sprache beschränkt sind, oder eine bunte Mischung bieten. Dabei wird jedem Tisch eine Sprache zugeteilt, so kann man sich auch von Anfang an sicher sein, dass keine Kommunikationsprobleme entstehen. Gerade in einer vielfältigen Stadt wie München trifft man bei solchen Veranstaltungen fast immer auf Muttersprachler. Falls die Sprache, die man üben möchte doch einmal nicht vertreten sein sollte, so kann man sich trotzdem auf viele interessante Gespräche freuen.

 

Erasmus ist auf jeden Fall ein Thema, mit dem sich nicht nur Studierende, sondern auch Berufstätige und Azubis auseinandersetzen sollten, denn gerade in den Bereichen Medien und Marketing wird oftmals in internationalen Umfeldern gearbeitet. Mir persönlich haben das Auslandssemester und die Zeit danach nicht nur viele neue Freunde gebracht, die ich teilweise auch schon in ihrer Heimat besuchen konnte, sondern auch die Angst im Umgang mit fremden Sprachen und Kulturen genommen. Wer ebenfalls die Chance auf eine Teilnahme an Erasmus+ bekommt, sollte diese meiner Meinung auf jeden Fall nutzen und ein Teil dieser Gemeinschaft werden. Vielleicht bleibt danach auch Dir so eine gute Freundin wie Kasia.

 

Rebecca Gröger

 

Quellen

ec.europa.eu/programmes/erasmus-plus/about/statistics_de

ec.europa.eu/programmes/erasmus-plus/about/factsheets_de

europa.eu/youth/erasmusvirtual/activity/online-facilitated-dialogue_en

www.sfcg.org/erasmus-virtual-exchange/

www.erasmusplus.de/erasmus/bildungsbereiche/berufsbildung/

http://www.bsmedien.musin.de/index.php/Internationale_Aktivit%C3%A4ten.html

 

Bilder

https://www.pexels.com/photo/group-of-people-sitting-on-white-mat-on-grass-field-745045/

https://www.pexels.com/photo/people-drinking-liquor-and-talking-on-dining-table-close-up-photo-696218/

 

Categories: Allgemein, Kultur, Reisen

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