Zypern. Wo liegt das? Ist das eine griechische Insel? Welche Sprache wird dort gesprochen? Gehört das Land zur EU?

Diese und ähnliche Fragen werden gestellt, wenn der Inselstaat und das seit 2004 EU-Mitglied Zypern erwähnt wird. Wie kommt das, wenn es aufgrund der Lage, Landschaft und Sprache durchaus mit anderen beliebten Urlaubsländern konkurrieren könnte?
Der Norden Zyperns liegt Luftlinie ca. 80 km vor der türkischen Küste und ist somit nicht viel weiter entfernt als andere Urlaubsziele der Deutschen. Die wunderschöne Landschaft, die Verkehrssprache Englisch, die dort von fast jedem gesprochen wird, und vieles mehr machen Zypern zum idealen Reiseziel. Warum also ist Zypern für die meisten Deutschen eine große Unbekannte, obwohl der englische Autor Colin Thubron es doch recht treffend formulierte, als er schrieb:

»Eine der faszinierendsten Inseln der Welt.«*

Von 1878 bis 1960 war Zypern eine Kolonie der Briten und hat daher, neben dem Griechischen als Amtssprache, Englisch als Verkehrssprache und den Linksverkehr beibehalten. Auch die englische Pünktlichkeit, die Tierfreundlichkeit und das typisch englische Frühstück sind geblieben.
Heute ist Zypern unabhängig und hat etwa eine Million Einwohner. Die Kinder lernen von Kindesbeinen an Griechisch und Englisch, und auch viele ältere Menschen sprechen sehr gutes Englisch. Dass Zypern um die Besonderheit des Linksfahrens weiß, zeigen Straßenschilder, die den Autofahrer daran erinnern: »Caution! You must drive on the left hand side«.

 

Eine weitere Besonderheit ist, dass Zypern seit 1974 faktisch geteilt ist. Die Türkei hat damals den nördlichen Teil der Insel besetzt, deshalb gibt es heute die Republik Zypern und die Türkische Republik Zypern. Offiziell anerkannt ist diese Trennung nicht, aber vor Ort wird sie gelebt. So mögen sich die beiden Bevölkerungsteile im Allgemeinen nicht besonders, und es ist z. B. nicht erlaubt, im türkischen Teil anzureisen und im griechischen abzureisen. Manch einer mag es auch merkwürdig finden, dass die türkischen Städte aus dem griechischen Teil kommend auf Autobahntafeln nicht ausgezeichnet sind, aber vor dem geschichtlichen Hintergrund ist es vielleicht verständlich. Auch die groß aufgemalte türkische Flagge auf einem Berghang, die man aus weiter Entfernung im griechischen Teil und sogar aus der Luft anreisend sehen kann, trägt nicht gerade zur Besserung der Situation oder Annäherung der Regierungen bei. Allerdings hat sich die Situation in der Bevölkerung trotz allem in den vergangenen Jahren gebessert. Zumindest ein wenig und Stück für Stück. Man kann heutzutage beispielsweise mit dem Auto an verschiedenen Punkten die Grenze überqueren. Dazu braucht man ein Visum, und man darf auch nicht länger als eine bestimmte Zeitspanne im anderen Teil verbleiben. Dennoch gehört es mittlerweile zum Alltag dazu, im jeweils anderen Teil der Insel zu arbeiten.

Die Hauptstadt Zyperns ist Nikosia und die letzte geteilte Hauptstadt der Welt. Durch die Stadt verläuft ein Grenzzaun, der Nikosia wie den Rest der Insel in einen griechischen und einen türkischen Teil trennt. Daher kommen auch wie bei vielen Orten die verschiedenen Bezeichnungen der Stadt. Die griechische Bevölkerung nennt die Hauptstadt Lefkosía, die türkische Lefkoşa. Seit 2008 kann man als einzige zu-Fuß-Möglichkeit in der Altstadt Nikosias die Grenze überqueren. Das ist als Tourist ziemlich problemlos möglich. Auf der türkischen Seite bekommt man ein kleines Visum ausgestellt und wird bei Ein- und Ausreise namentlich erfasst, aber mehr auch nicht. Bei einem Besuch beider Teile werden schnell die allgemeinen Unterschiede deutlich.
Der griechische Teil Nikosias ist sehr modern gestaltet, man fühlt sich fast wie in jeder anderen westlichen Großstadt. Im türkischen Teil hingegen wirkt vieles traditioneller, u. a. viele der Gebäude und Plätze in der Innenstadt. Aufgrund der verschiedenen Glaubensrichtungen sind dementsprechend auch die Sakralbauten andere. Im griechischen Teil finden sich, dem griechisch-orthodoxen Glauben entsprechend, viele schöne Kirchen, wohingegen es im türkischen Teil prächtige Moscheen sind.

Neben dem nördlich gelegenen Nikosia sind im griechischen Teil der Insel noch drei andere große Städte zu nennen. Da wäre zum einen Larnaka, das im Südosten gelegen ist und den größten Flughafen der Insel beherbergt. Zum anderen das im Süden der Insel liegende Limassol als zweitgrößte Stadt Zyperns, mit großer wirtschaftlicher Bedeutung und großem Hafen. Als vierte und kleinste der vier Großstädte muss noch Paphos erwähnt werden, das im Westen der Insel liegt, und sich vor allem mit kulturhistorischer Bedeutung hervortut.

Sowohl Larnaka als auch Limassol und Paphos sind Küstenstädte und bieten ebenso wie Nikosia viele touristische Attraktionen. Bedeutende Museen, Ausgrabungsstätten, Klöster und historische Gebäude in den Altstädten gibt es genauso wie wunderschöne Sandstrände, Bergregionen zum Wandern und Party-Meilen.

Erwähnenswert sind noch Agia Napa im Osten und Polis im Norden der Insel. In Agia Napa vervierfacht sich die eigentliche Einwohnerzahl durch die vielen Touristen, die die Partyhochburg vor allem zur Sommerzeit wegen der Strände, Clubs und Bars besuchen. Es ist das, was für die Deutschen Mallorca ist.
Polis ist eine mittelgroße Stadt, die bei Auswanderern sehr beliebt ist. Weniger besiedelt als die vier Großstädte lebt es sich hier in kleinstädtischer Atmosphäre in Strandnähe recht malerisch.

 

Wann ist nun aber die ideale Reisezeit für einen Städtetrip oder Zypern-Urlaub?

Als Sonnenanbeter kann man da nicht viel falsch machen, denn Zypern hat über 300 Sonnentage im Jahr. In den heißen Sommermonaten Juni bis September mit einer Regenwahrscheinlichkeit von nahezu null Prozent bietet es sich an, die Zeit an einem der vielen Sand- oder auch Steinstrände zu verbringen. Wanderfreunde wird es eher in die höher gelegenen Regionen des Troodos-Gebirges ziehen, wo der große Baumbestand Schatten spendet. Dabei sollte man unbedingt dem beeindruckenden Cedar Valley, dem Tal der Zedern, die dort zu Tausenden wachsen, einen Besuch abstatten, ebenso wie dem mächtigsten Kloster Zyperns, dem Kykkos-Kloster.
Die höchste Erhebung Zyperns ist im Troodos-Gebirge der Olymp mit 1952 Metern, der von Januar bis März zur Skiregion wird. Zur regenreichsten Zeit im Winter von Dezember bis Februar blüht die Natur dort und überall sonst auf der Insel richtig auf und ist sehr sehenswert.
Ein Zypern-Urlaub sollte also in jedem Fall danach geplant werden, was man erleben möchte, damit das Wetter einem keinen Strich durch die Rechnung machen kann.

Abschließend bleibt nur noch zu sagen: Grüne oder schneebedeckte Wiesen und Berghänge sowie atemberaubende Küstenlandschaften zu jeder Zeit, schöne Küstenstädte und viel besuchte Party-Orte machen unter anderem die Vielseitigkeit der Landschaft und des Landes aus. Wer also eine besondere Insel für einen besonderen Urlaub, fernab vom Massentourismus sucht, ist auf Zypern genau richtig. Schließlich ist es »eine der faszinierendsten Inseln der Welt«.

 

Victoria D.


* aus: »Zypern« von Colin Thubron

Categories: Allgemein, Reisen

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