Sobald die Nacht anbricht treten die „Schmetterlinge der Nacht“ – da man ihre Schönheit nur am Abend sehen kann, so sagen die Japaner – aus ihren Okiya’s (Wohnhaus einer Gemeinschaft von Geishas) und machen sich elegant und anmutig auf den Weg zu den Teehäusern Kyotos, einer geschichtliche und kulturelle Stadt in Japan. Ihre seidenen Kimonos schimmern unter den Straßenlaternen Japans und das einzige Geräusch was man in jenem Augenblick wahrnehmen kann, ist das Klackern ihrer Getas, japanische Holzsandalen. Mit nur einem bewussten und erlaubten Blick auf ihre Handgelenke beim servieren des Tees lassen sie Männerherzen schmelzen. Von wem hier die Rede ist?

Der Geisha.

Das Schönheitsideal einer längst vergangenen Zeit.
Doch was genau ist die Geisha? Und warum verbinden die meisten Menschen die Geisha mit einer Kurtisane?

„Es ist schwierig den Beruf einer Geisha zu definieren. Ich würde ihn vielleicht mit dem einer klassischen Balletttänzerin vergleichen. Unser Beruf liegt zwischen klassischem Ballett und japanischem Theater. Eine Geisha ist wohl so was wie eine Primaballerina“.
– Mineko Iwasaki, eine Berühmtheit und einer der größten Geishas ihrer Generation

Der Begriff Geisha kommt aus dem Tokioter Dialekt und setzt sich zusammen aus „Gei- und Sha“, welches so viel bedeutet wie „Person der Kunst“. Somit handelt es sich um eine Person die ihre Kultur und Kunst verkörpert. Sie trägt traditionelle Kimonos, ein weiß gepudertes Gesicht, rote Lippen und rote Augenbrauen. Aufgabe einer Geisha ist es für Unterhaltung auf höchstem Niveau zu sorgen. Heutzutage entschließen sich Frauen freiwillig zu einer langwierigen Ausbildung als Geisha, wobei sie erst durch einen Abschluss als vollwertige Geisha anerkannt werden. Durch den Kulturwandel und der inzwischen stabileren Wirtschaft in Japan arbeiten Frauen aus der jetzigen Generation lieber im Büro oder von zu Hause aus. Deshalb gibt es immer weniger Geishas und dementsprechend weniger Teehäuser.
Im 17. Jahrhundert dagegen wurden viele Kinder aus Bauernfamilien infolge von Armut an die Okiya verkauft. Mit diesem Handel gewannen die Kinder eine neue Mutter und Herrin, die sich um die Verpflegung und Schulkosten kümmerte. Ein Jahrzehnt später durften die mittlerweile vollwertigen Geishas ihre Schulden zurück zahlen. Für die Kinder war dies ein Fluch und Segen zugleich. Zum einen setzte die Ausbildung große Bemühungen und einen Verzicht in vielen Bereichen des Lebens voraus. Zum anderen zahlten sich die erbrachten Bemühungen darin aus, dass eine Geisha Kimonos im Wert von 1 000€ – 20 000€ tragen und das Gesicht mit dem teuersten Puder bemalen durfte. Der größte Segen bei der Erlangung des Status einer Geisha zeigt sich in der finanziellen Sicherheit und damit verbundenen Überwindung der Angst, zu verhungern oder auf Grundbedürfnisse verzichten zu müssen.

Die Geisha in normaler Tracht

Die Geisha in traditioneller Tracht

Die Ausbildung die im jungen Alter beginnt – von der Maiko zur Geisha – war und ist mit viel Schmerz verbunden. Nach stundenlangem Sitzen auf den Knien, schmerzvolles stechen am Haaransatz durch die Kanzashi* und Rückenschmerzen vom 20 kg Kimono müssen die Geishas trotzdem souverän wirken. Zu den Aufgaben einer Meiko sowie einer Geisha gehören auf der Shamisen*, einem Instrument, Töne zu spielen und begleitend zu den Tönen zu singen. Zudem ist das Tanzen für die angehende Geisha sehr wichtig, denn dadurch zieht sie die Aufmerksamkeit der Männer am stärksten auf sich und sticht somit innerhalb der Konkurrenz heraus. Nichtsdestotrotz müssen die Geishas abgesehen von Musik, Unterhaltung, Tanz und Schönheit vom Wesen her auch intellektuell und gebildet sein. Die Geisha sind redegewandt und können sich eloquent mit den wohlhabenden Männern unterhalten, sei es über Politik oder über andere diverse Themen. Die Dauer einer Geisha-Ausbildung dauert grundsätzlich fünf bis zehn Jahre. Dementsprechend wird die Leistung einer Geisha hoch vergütet besonders zeigt sich dies in dem Fakt, dass eine Geisha pro Stunde mehr als ein Bauer in einem Jahr verdient. Ein großes Tabu für eine Maiko und Gaisha ist ein sexuelles Verhältnis mit ihrem Kunden zu haben. Sollte dies der Fall sein muss das ganze Okiya Haus schließen und die jeweiligen benachbarten Okiyas mit dazu. Zu guter Letzt hat sie das Recht ihre Kunden auszusuchen was damals im 17. Jahrhundert nicht der Fall war.
„Eines Tages kam ein älterer Herr mit einer Tasche voller Geld zum Teehaus und sagte – heute habe ich Geld, ich möchte eine Meiko und eine Geisha treffen – er wurde daraufhin weggeschickt. Dadurch dass keiner ihn kannte und er weder empfohlen noch jemand für ihn bürgen würde haben wir sein Geld nicht angenommen“.
– Ichiyu, Geisha

Die Kurtisane in traditioneller Tracht

Die Kurtisane in traditioneller Tracht

Im Hinblick auf all die vorherigen genannten Aufgaben einer Geisha, lässt sich gewiss eine Abgrenzung zu einer Kurtisane vornehmen. Da eine Geisha dafür da ist um die jahrtausendalte Kultur mit Gesang, Kunst und Tanz bei zu behalten, versucht dies die Kurtisane auch. Jedoch mangelt es an künstlerischen Talenten bei der Kurtisane. Auch ist sie nicht so gebildet, da sie dies auf der Kurtisanen-Schule nicht gelernt bekommen. Ebenso schläft die Kurtisane schlussendlich mit ihren Kunden für einen bestimmten Betrag.
Bis auf einige kleine Unterschiede – die kulturell bedingt sind – kann man die japanische Kurtisane mit der europäischen Edelhure gleich stellen.
Auch kann man optisch ansehen ob es sich um eine Gaisha oder Kurtisane handelt.

Damals schon sollte die Gaisha für Unterhaltung sorgen solange die Kurtisane sich für den Kunden vorbereitet hat. Um den Kurtisanen nicht die Show zu stehlen trugen die Gaishas sehr wenig Make Up auf und unter anderem auch wenig auffallenden Kopfschmuck. Immer mehr verloren die Männer das Interesse an den Kurtisanen und ließen sich von der schlichten Eleganz und künstlerischen Fähigkeiten der Gaisha anziehen. Dies führte herbei, dass immer mehr Kurtisanen verschwanden und die Männer trotzdem die Teehäuser füllten um sich Unterhaltung der extra Klasse anzuschauen.
– Nielab Fahim MK 133

Maiko* Vorstufe einer ausgelernten Geisha
Shamisen* dreiseitiges und gezupftes Lauteninstrument
Kanzashi* japanischer Haarschmuck

Categories: Allgemein, Kultur

Leave a Reply