Anstatt wirklich neue, wirksame Medikamente gegen echte Krankheiten zu erfinden, Krankheiten, die die ganze Menschheit treffen können, wie Krebs, Bluthochdruck und so weiter, hat die Pharmaindustrie einen einfacheren Weg gefunden, um ihre Verkaufszahlen zu halten. Sie erfindet Krankheiten, die es gar nicht gibt, und bietet Arzneien an die nicht helfen, aber das ist unwichtig – Schließlich sind die so genannten Kranken ja auch nicht krank.“ – Prof. Philippe Even

Um diese Aussage zu verdeutlichen, möchte ich auf ein Beispiel aus den USA verweisen.

Es ist allgemein bekannt, dass Frauen um die Menstruation herum unter Gereiztheit und Angstgefühlen leiden, so hat es die Evolution wohl vorgesehen. Nun hat die Pharmaindustrie das „Prämenstruelle Dysphorische Syndrom“ kreiert. Das bedeutet an den Tagen vor der Regel hat man eine „Dysphorie“. Hört man das, denkt man an eine Krankheit, die möglicherweise medikamentöser Behandlung bedarf. Doch das täuscht – denn Dysphorie ist eine banale Alltagsverstimmung ohne Krankheitswert. Das ist für die Pharmaindustrie natürlich ein gefundenes Fressen. Das kann man doch behandeln – das werden wir behandeln!

In den USA lief das folgendermaßen ab: Es gab ein sehr bekanntes Mittel gegen Depressionen, Prozac, dafür lief jedoch das Patent ab, es brachte kein Geld mehr ein. Und so wurden 100 Artikel über das „Prämenstruelle Dysphorische Syndrom“  in rund 30 Zeitschriften veröffentlicht. Pharmareferenten verteilten die Artikel an Ärzte, damit die etwas kennen lernten, von dessen Existenz sie gar nichts wussten – und dann die Lösung, ein neues Molekül. Es ist genau dasselbe wie Prozac, alles ist identisch, selbst die Dosierung, nur die Farbe nicht. Dieses Mittel verkauft man vier Mal so teuer, schließlich wird es nur an 5 Tagen im Monat genommen und die Kosten müssen gedeckt werden.

Einige Pharmaunternehmen gehen nach einem unglaublichen Modell vor. Sie bemühen sich nicht, Lösungen zu finden, um ein neues Medikament für ein gesundheitliches Problem zu entwickeln, sie gehen einfach von den bereits vorhandenen Medikamenten aus und erfinden dafür ein Problem, das zu dem Medikament passt. Sie haben ein Portfolio von Arzneien, die eingesetzt werden, oder die entwickelt, aber nicht auf den Markt gebracht wurden, weil sie zu wenig lukrativ waren. Und dann die Idee – könnten wir nicht etwas erfinden, bei dem wir das Mittel einsetzen können?

Stellt man sich vor man ist Autohersteller, dann will man keine Schrottkisten herstellen, sondern möglichst attraktive Autos, die einem die wichtigsten Märkte eröffnen oder sichern. Vor dieser Problematik steht die Industrie im Allgemeinen, die Pharmaindustrie im Besonderen. Mit anderen Worten: der Einsatz der Industrie richtet sich nicht nach den Kranken, sondern nach den Märkten.

„Es ist keine Beratung, es ist ein Verkauf, die Praxis sind die Umsatzzahlen und da geht es nicht darum, das Beste für den Patienten zu finden, das muss man ganz klar sagen.“, so ein Pharma-Insider gegenüber ZDF, „ Überall in Deutschland werden üppige Bestechungsgelder an Arztpraxen bezahlt, damit diese wunschgemäß die Medikamente der Unternehmen verschreiben. Beraterverträge sind das einfachste Mittel, denn da geht es nur ums Geld. Der Arzt muss keine direkte Gegenleistung bringen, er unterzeichnet einen Vertrag, in dem sich der Pharmavertreter verpflichtet, im Falle des Falles beziehungsweise bei Auftreten von Nebenwirkung zur Verfügung zu stehen. In Einzelfällen haben die Ärzte den Auftrag selbst gefährliche Nebenwirkungen zu verschleiern, wenn sie die Medikamente anbieten.“

Diese Erfahrung müssen viele Menschen machen, auch ich gehöre zu ihnen und möchte meine Geschichte erzählen.

Als ich 17 Jahre alt war, hat es angefangen. Wenn ich morgens aufgewacht bin, war ich total schlapp und mir war sehr übel. Viele denken jetzt vielleicht, wem geht das nicht so, gerade mit dem Gedanken in die Schule gehen zu müssen.

Meine Situation war aber etwas anders. Sobald ich einen Fuß aus dem Bett gesetzt habe, ist mir so schlecht geworden, dass ich mich übergeben musste. Danach ging es mir zwar ziemlich schnell besser, schön war das aber trotzdem nicht. Jetzt denken viele vielleicht: das ist doch ein typisches Anzeichen für eine Schwangerschaft. Und das war es auch, was die Ärzte immer zuerst gefragt haben, da es für sie natürlich die einfachste und offensichtlichste Diagnose war. Für mich natürlich genauso, deswegen konnte ich ihnen auch sagen, dass das nicht der Fall sei. In den ersten Jahren bis ich 20 war, trat das Krankheitsbild nur phasenweise auf. An ein paar aufeinander folgenden Tagen ging es mir schlecht, die nächsten Wochen war alles wieder wie gewohnt und ich konnte morgens aufstehen, ohne mich unwohl zu fühlen.

Als ich 2015 meine Ausbildung angefangen habe, ging es mir sehr gut. Ich hatte mich erst soweit wie es möglich war von einem Unfall, bei dem meine Hüftkugel abgebröckelt wurde, erholt. Die ersten Monate liefen sehr gut, mir hat die Arbeit an sich und mit den Leuten gefallen und alles schien in Ordnung zu sein – bis die Übelkeit widerkehrte. Zu diesem Zeitpunkt wurde es schlimmer denn je. Ich habe mich kurz nach dem Aufwachen noch viel erschöpfter und ausgelaugter gefühlt als zuvor. Mir war so schlecht als hätte ich etwas zu tief in das Glas geschaut und die ganze Nacht Party gemacht. Und es war auch nicht mehr wie sonst. Nachdem ich gespuckt habe, ging es mir überhaupt nicht besser. Obwohl ich 8 Stunden geschlafen habe, war ich so kaputt, dass ich weitere 6-8 Stunden geschlafen habe und nicht in die Arbeit gehen konnte. Durch den permanenten Verlust von Elektrolyten, die bei Erbrechen ausgeschüttet werden, war es wie in einem Teufelskreislauf. Es ging mir immer schlechter und ich war wochenlang nicht fähig in die Arbeit zu gehen.

Meine Hausärztin hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon mehrmals aufgesucht. Sie empfahl das typische Programm: Verträglichkeitstests für Laktose, Glucose, und so weiter. Natürlich durfte auch eine Magenspiegelung nicht fehlen. Diese Untersuchungen haben aber zu keinem Ergebnis geführt. Ich habe ihr gesagt, es ist mir sehr wichtig, bald wieder arbeiten zu gehen und natürlich möchte ich auch endlich wieder gesund sein. Daraufhin hat sie mir ein Medikament mit dem Wirkstoff „Scopolamin“ verschrieben. Scopolamin ist ein Tropan-Alkaloid, das in Nachtschattengewächsen wie Stechapfel, Bilsenkraut, Alraune sowie insbesondere den Engelstrompeten vorkommt und künstlich hergestellt werden kann. So gibt es diesen Wirkstoff auch als Droge, genannt „Devil’s Breath“. Scopolamin wirkt bei niedriger Dosierung leicht beruhigend und hemmend auf das Brechzentrum im Gehirn. Bei höherer Dosierung wirkt es dämpfend und sorgt für einen Zustand der Apathie. In diesem Fall kann es auch für einen Zustand der Willenlosigkeit sorgen. Davon habe ich glücklicherweise nichts gemerkt, jedoch gab es andere Symptome, die in einer ungewohnten Umgebung sehr gefährlich hätten sein können. Zum Verständnis: Ich hatte mit 3 und 4 Jahren Augenoperationen, einmal am linken Auge, um den Muskel zu verlängern, und am rechten Auge um den Muskel zu verkürzen, da ich sehr stark geschielt habe. Ich habe 13 Jahre eine Brille getragen, und war mehr als froh, als mein Augenarzt sagte, ich benötige keine Brille mehr.

Nun zum eigentlichen Ereignis zurück: Ich war also wieder mal krank zu Hause, in der Hoffnung, dass es mir am nächsten Tag besser gehen würde, damit ich etwas Neues in meiner Ausbildung lernen kann. Das Medikament war ein Pflaster, das in 72 Stunden einen bestimmten Wert an Scopolamin ausschüttet. Ich sollte es mir hinter das Ohr kleben, da an dieser Stelle der Wirkstoff gut aufgenommen werden kann und sehen wie ich das Pflaster vertrage. In den ersten Stunden habe ich nicht viel Unterschied gemerkt. Ich war zu Hause, lag im Bett und habe ferngesehen. Irgendwann merkte ich, dass ich das Bild mit dem linken Auge nicht mehr ganz so scharf sah wie sonst. Ich dachte mir, es kann ja nicht schaden, mal die Nebenwirkungen durch zu lesen. Als ich das machen wollte, stellte ich fest, dass ich mit dem linken Auge alles so verschwommen gesehen habe, dass ich nichts mehr erkennen konnte. Mich ergriff etwas Panik. Ich habe in den Spiegel gesehen und musste feststellen, dass mein linkes Auge sehr stark nach innen geschielt hat, so wie ich mich es das letzte Mal auf Bildern gesehen hatte, als ich 3 Jahre alt war. Sofort habe ich mir das Pflaster abgemacht, da ich sehr Angst hatte, dass das so bleiben könnte. Das war aber nicht die einzige Nebenwirkung. Als ich mich etwas entspannen konnte, lag ich auf dem Sofa und habe mich sehr komisch gefühlt. Kaum zu beschreiben, als wäre man in einer anderen Welt. Als ich meine Augen aufgemacht habe, haben sich die Dinge um mich herum für ein paar Momente verschoben. Als es mir etwas besser ging, habe ich meine Hausärztin angerufen und ihr alles erzählt, dass sowas doch nicht normal sein könnte und das ich ja eigentlich etwas wollte, damit es mir besser geht und nicht viel schlechter. Sie meinte nur, ich solle das Pflaster abnehmen und man müsste sehen, was mir sonst helfen könnte. Zusammen mit meiner Mutter habe ich daraufhin nach Ärzten gesucht, Spezialisten, die mir wirklich helfen können. Das habe ich  zumindest gehofft.

Wir waren bei einer Endokrinologin, die den Verdacht auf eine Schilddrüsenstörung ausschließen sollte. Ohne Erfolg. Auch ein Nephrologe konnte kein hilfreiches Ergebnis liefern. Das war im Gegensatz zu der „Arbeit“ des Internisten, in einer Klinik, den wir aufgesucht haben aber noch gut für mich. Schon als wir die ersten Worte mit dem Arzt gewechselt hatten, war zu merken das er eigentlich gar nicht verstand, weshalb wir hier waren oder was er denn jetzt tun sollte. Nach Aussagen wie „Fahren sie doch mal wieder in den Urlaub“, war meiner Mutter und mir klar, dass das hier wiedermal eine Station war, die uns nicht weiter bringt. Meine Mutter bat den Arzt doch wenigstens mal einen Ultraschall zu machen, auch hier ein verständnisloser Gesichtsausdruck seinerseits. Beim Ultraschall stellte er fest, dass meine Leberwerte zu viel Fettanteil enthalten würden. Das hingegen überraschte ihn auf einmal sehr und er war – wie auch anders nicht zu erwarten – sehr daran interessiert mir ein Medikament zu verschreiben. Das haben alle anderen Ärzte zwar auch getan, jedoch nicht auf so eine derartig verantwortungslose Weise. Das Medikament das er mir verschrieben hat, war ein Medikament für Krebspatienten nach der Chemotherapie, um ihre Übelkeit zu bekämpfen. Das konnte ich der Packungsbeilage des Artikels entnehmen, genauso wie die ziemlich extremen Nebenwirkungen, die dieses Medikament hervorrufen kann. Nachdem ich das gelesen hatte, habe ich den Arzt, der mir das verschrieben hat, kontaktiert. Ich habe ihm gesagt, dass ich es ziemlich heftig finde, einer jungen Frau ein solches Medikament zu verschreiben, und das ich nachdem ich die Nebenwirkungen gesehen habe, das Medikament nicht nehmen werde. Er meinte daraufhin nur, es wäre meine Angelegenheit und hat sich verabschiedet. So stellt man sich eine ärztliche Beratung vor oder?

 

Nach all diesen Fehlschlägen gingen uns so langsam die Ideen aus. Desto erleichterter waren wir, als wir von einem Bekannten einen Heilpraktiker empfohlen bekommen haben, der ihm helfen konnte. Es ist schade, dass Heilpraktiker zum Teil sehr verrufen sind – klar gibt es auch hier schwarze Schafe, jedoch gehört der Heilpraktiker dem ich mittlerweile sehr vertraue nicht dazu. Nachdem ich ihm den Verhalt geschildert hatte, habe ich ziemlich schnell einen Termin bei ihm erhalten. Der Heilpraktiker unterhielt sich mit mir zunächst über eine halbe Stunde über meinen Tagesablauf, die Symptome und meine Essgewohnheiten. Danach hat er mehrere Untersuchungen und Tests durchgeführt, die bisher noch kein Arzt vorgenommen hatte. Mein Blut hat er sich unter dem Mikroskop angesehen, so wie es von Ärzten auch nicht gemacht wird. So war es ihm auch möglich mehr erkennen zu können und er konnte so auch eine genaue Diagnose abgeben. Nach den Auswertungen der Testergebnisse, konnte er nach nicht mal einer Stunde in der ich da war, feststellen, dass es sich um einen Darmpilz handelte. Im Allgemeinen sind die Auslöser schlechte Ernährung, Antibiotika und Schmerztabletten. Wie ich vorher bereits kurz erwähnte, hatte ich einige Zeit zuvor eine Verletzung an der Hüfte. Ich habe nicht viele Schmerztabletten genommen, da ich noch nie viel davon gehalten habe, ganz zu vermeiden war es aber trotzdem nicht immer. Ein weiteres Problem war aber auch meine Langeweile, die ich mit Essen gefüllt habe, natürlich nicht mit gesundem Essen. Ich habe auch viele süße Getränke getrunken, und alles in allem war die Zeit in der ich verletzt war der Auslöser. Ein Darmpilz ernährt sich von schlechtem, ungesundem Essen. Als mich der Heilpraktiker darüber aufklärte, wurde mir sofort wieder schlecht. Bei dem Gedanken daran, dass ich sowas in meinem Bauch habe. Jetzt frägt man sich – was hat der Heilpraktiker getan um mir zu helfen? Er hat mir keine Medikamente verschrieben, die gefährliche Nebenwirkungen haben. Was er mir verschrieb, waren homöopathische Mittel, die die Bekämpfung des Darmpilzes zusammen mit einer Diät unterstützen sollten. Diese Diät war natürlich alles andere als angenehm. Ich durfte 3 Monate lang weder Zucker, Fruchtzucker, Fett, Milchprodukte noch Weizen essen. Zudem musste ich mich, wenn ich denn dann etwas gefunden hatte, was ich essen konnte, von Trennkost ernähren. Also lagen 3 Monate von starkem Verzicht vor mir. Jeder der mich kennt, weiß wie schwer es mir eigentlich hätte fallen sollen. Jedoch nicht in diesem Fall – als ich nach ein paar Tagen merkte, wie es mir wirklich besser ging, nach Monaten, war es mir egal, dass ich eigentlich fast nichts essen konnte. Ich zog die Diät durch, nahm die Medikamente und konnte endlich wieder erleben, wie es ist, morgens aufzustehen und sich einfach wie jeder andere nur müde zu fühlen, nicht so als hätte man die Welt umrundet. Auf meine Ernährung achten muss ich zwar immer noch, jedoch fällt mir das auch sehr viel leichter, wenn ich weiß, ich bleibe gesund. Trotzdem schadet es natürlich nicht, sich das Leben ab und zu mal zu versüßen.

Mit meiner Geschichte möchte ich aufmerksam machen, auf die Missstände im Gesundheitssystem. Aufmerksam, auf die Missstände in der Pharmaindustrie. Aber vor allem möchte ich diejenigen aufwecken, die diesen Artikel gelesen haben. Denn die Medikamente der Pharmaindustrie behandeln nur die Symptome, nicht die Krankheit.

Laura Gieselmann

 

Categories: Allgemein, Gesundheit, Politik

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