Thilafushi, Malediven. Eine Insel voller Müll. 6,8 Kilometer westlich von Malé im Süden des Nord-Malé-Atolls. Auf einer Länge von sieben Kilometern und einer Breite von 200 Metern. Ein tägliches Wachstum von bis zu 400 Tonnen Abfall. Mitten im Paradies zwischen dutzenden von Luxus-Resorts. Beißend weißer Rauch durch die ständige Müllverbrennung liegt über der einstigen Trauminsel. Chemikalien werden ins Meer geschüttet. Wen interessiert es? Zu wenige. Umweltschutz? Mhm… Fehlanzeige. Erschreckend? Alltag.

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Alexander Braun_flickr

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Der Beginn

5. Dezember 1991: Die Regierung beschließt, dass schon bald die Lagune mit der ersten Ladung Müll aufgefüllt werden soll. Vorerst wurden 15 × 15 × 5 m große Gruben ausgehoben und mit Abfall aufgefüllt. Diese Schicht wurde mit einer Lage aus Bauschutt und Korallensand abgedeckt. Der Hauptanteil ist in der Zwischenzeit industrieller Abfall, wie Bauschutt, aber auch Material welches als Sondermüll klassifiziert wird. Eine Mülltrennung wird nicht durchgeführt.
Zusätzlich entschloss 1997 die maledivische Regierung, Land dieser wachsenden Insel an mittlerweile rund 55 industrielle Unternehmen mit Schwerpunkt auf Schiffbau, Zementverpackung und Methan-Abfüllung zu verpachten. Pro Jahr nimmt der Staat somit rund eine Millionen US-Dollar ein.

Umweltschutz

Der Schutz der Umwelt findet nur ansatzweise statt. Der Großteil des Mülls wird von Arbeitskräften aus Bangladesch zu einem Hungerlohn einfach verdichtet, verfüllt oder verbrannt. Umwelt- und gesundheitsgefährdende Stoffe wie Asbest werden ignoriert. Laut inoffiziellen Angaben steigen Hautkrankheiten und auch Krebsfälle in dieser Region enorm an. Dennoch zählt nur Ertrag – lediglich Metalle wie Kupfer, Zinn, Stahl oder Zink werden im Abfallkreislauf getrennt. Diese sind zum Hauptexportgut der Malediven nach Indien geworden.
Durch die nicht fachgerechte Entsorgung von Batterien und Elektronikschrott werden Stoffe wie Blei, Cadmium oder Quecksilber gelöst und freigesetzt und gelangen somit über Algen, Plankton und Fische in die Nahrungskette oder verschmutzen bei der nächtlichen Verbrennung, wenn die Touristen schlafen, die Luft.
Währenddessen duftet es auf den nicht weit entfernten Luxus-Resort-Inseln nach Zitronengras und Blumen. Flughunde klettern durch Palmen und im seichten glasklaren Wasser schwimmen die faszinierendsten Fische. Bioabfälle der Restaurants werden zwar vor Ort kompostiert, aber die vielen Touristen verursachen nach offiziellen Angaben pro Kopf täglich fast vier Kilogramm Restmüll, wie leere Sonncremetuben oder auch Plastikwasserflaschen. Im Gegensatz dazu, hinterlassen die ca. 400.000 Einheimischen pro Kopf und Tag gerade einmal ein Kilogramm. Allerdings schafft der Hausmüll der Einheimischen es oft nicht mal nach Thilafushi. Dieser wird aufgrund von eventueller Faulheit oder auch Unaufgeklärtheit sehr gerne einfach im Meer entladen. Obwohl dafür hohe Strafen verhängt werden, stößt dies aufgrund der wenigen Polizisten in diesem viel zu großen, unübersichtlichen Gebiet auf Ignoranz. Somit hängen an den traumhaften Riffen gerne Windeln wie Quallen im türkisblauen Wasser.

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Hani Amir_flickr

 

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Vorbilder. Aller Anfang ist schwer.

So manch ein Reiseveranstalter fungiert als Vorbild. Es wird versucht, Urlauber im Indischen Ozean für das Problem zu sensibilisieren und darauf hinzuweisen. Aber wollen Touristen, die oft viele tausende Euro auf den Inseln lassen, wirklich davon hören? Zumindest ein Versuch ist es wert. So wird zum Beispiel seinen Kunden in einer Infobroschüre nahe gelegt, Abfall so weit wie möglich zu reduzieren. Dabei wird dieses Ziel mit einem Recycling-Programm unterstützt: beim Hinflug werden Säcke verteilt, welche die Gäste während des Aufenthaltes füllen können und beim Rückflug wieder abgeben können. Daraufhin kümmern sich die Airlines um das ordnungsgemäße Recycling der verschiedenen Stoffe. Zumindest ein Anfang.
Machst Du dir regelmäßig Gedanken über das eigene Konsumverhalten in Bezug auf die Müllproduktion? Nein? Erschreckend. Aber hey, du bist nicht alleine. Mit Plastik sind wir aufgewachsen, mit Plastik werden wir sterben. Und so schnell landet die billige Plastiktüte vom Supermarkt dann doch wieder auf dem Kassenband.
Die Folgen der Problematik scheinen für die meisten von uns wohl noch viel zu weit entfernt. Leider. Tagtäglich verelenden Meerestiere an den Mengen von Plastik in den Ozeanen und Meeren dieser Welt. Viel zu wenig wird darüber in den Medien aufgeklärt und den Menschen die Augen geöffnet.
Oder liegt es viel mehr an der Bequemlichkeit der Menschheit?

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