Sie leistet bereits seit mehr als sechs Jahrzehnten einen unschätzbaren Dienst für die Freiheit und die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland. Trotz allem will kaum jemand etwas von ihr wissen – die Bundeswehr. Eine ungeliebte Armee, die durch das Aussetzen der Wehrpflicht im Alltag und im Bewusstsein der meisten Bürger kaum noch präsent ist, deren Vertreter Schulen nicht mehr betreten sollen und deren Einsätze in der Bevölkerung auf wenig Sympathie stoßen. Beschränkt sich das Miteinander auf das gemeinsame Schleppen von Sandsäcken, wenn wieder einmal der eine oder andere Fluss die Heimat unter Wasser setzt?

Betrachtet man das „freundliche Desinteresse“ seitens der Bevölkerung, so bestätigt sich diese Annahme. Nur wenige der Soldaten erleben derzeit Respekt, Anerkennung und Dankbarkeit für ihren Dienst an der Allgemeinheit. Nur ein Bruchteil der Bevölkerung interessiert sich für ihre tägliche Arbeit. Von einer wirklichen Verbundenheit der Gesellschaft zum Militär fehlt jegliche Spur. Stattdessen ist es keine Seltenheit, dass Soldaten in Uniform auf offener Straße als „Berufsmörder“ begrüßt und verspottet werden. Auch im Internet bleibt die Hetze nicht aus.

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht sogar noch einen Schritt weiter. Laut deren Ideologie sei die Bundeswehr nicht nur faschistisch, rassistisch und kriegsverherrlichend, sie verderbe außerdem die Jugend.

Des Weiteren setzte die GEW ein Verbot an einigen Schulen durch, welches verhindert, dass Jugendoffiziere über die deutsche Sicherheitspolitik referieren.

Ebenso verhindern Zivilklauseln an Universitäten jegliche Zusammenarbeit zwischen Militär und Akademikern. Dieser Eingriff in die Freiheit der Forschung bedeutet, dass Entwicklungen verhindert werden, die deutschen Soldaten das Leben retten könnten.

 

Soldaten beim öffentlichen Gelöbnis vor dem Reichstag in Berlin

 

Fehlbestand statt Vollausstattung

Neben dem ausbleibenden Respekt und der Anerkennung durch die Gesellschaft fehlt es der Bundeswehr vor allem an einem: der Ausstattung. Den Soldaten mangelt es bereits an der grundlegendsten Versorgung, um vernünftig trainieren zu können. Außerdem weist die Ausrüstung große Qualitätsmängel auf, wie beispielsweise die dienstlich gelieferten Kampfstiefel 2015. Die Soldaten hatten schon nach kurzer Zeit Blasen und Fußschmerzen, was kaum verwunderlich war, da nur eine Billigvariante des Vorgängermodells bereitgestellt wurde.

Der Wehrbeauftragte des deutschen Bundestages, Hans-Peter Bartels, schrieb in seinem Jahresbericht 2015: „Die Truppe ist es Leid, es fehlt zu viel. Die Bundeswehr ist an einem Wendepunkt, noch mehr Reduzierung geht nicht.“ Dies betrifft auch das Personal. Derzeit gibt es nur knapp 170.000 Soldaten. Zum Vergleich: Im Jahr 1990 waren es noch rund 600.000 uniformierte Bürger. „So klein wie heute war die Bundeswehr niemals in ihrer Geschichte“, schrieb Bartels und fordert gleichzeitig, dass die Debatte über Personalstruktur, Aufgaben und Umfang der Bundeswehr geführt werden muss. Durch jahrelange Reformen seitens der Politik scheint das Militär beinahe ruiniert, die Mangelwirtschaft hat die Truppe zu Boden gezwungen. Dem Bundesministerium der Verteidigung sind die Mängel zwar bekannt, doch laut Bartels gestalte sich das Abstellen solcher Fehler oft als unerklärlich langsam. Eine politische Kehrtwende ist also essenziell, um der Bundeswehr eine „Vollausstattung“ zu gewährleisten. Doch kann man in der nahen Zukunft mit einer Aufstockung der notwendigen Rüstung und gar mit einem Umdenken in der Gesellschaft rechnen?

 

Das Rad dreht sich allmählich zurück

Eine Mitte des Jahres 2016 veröffentlichte Befragung des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften lieferte überraschende Ergebnisse: Darin sprechen sich 45 Prozent der Bundesbürger für eine Vergrößerung der Bundeswehr aus. Das sind fast dreimal so viele wie im Jahr 2009.  Eine Mehrheit von 51 Prozent der Befragten erachtet zudem eine Erhöhung der Rüstungsausgaben als sinnvoll.

Wie aber kommt es zu dieser doch deutlichen Meinungsänderung vieler Menschen? Noch immer ist das Interesse an der täglichen Arbeit der Bundeswehr begrenzt, von einem Anstieg der Sympathie kann man nicht sprechen. Die Umfragewerte beziehen sich auf einen wohl anderen Grund: die Angst vor der Bedrohung.

Seit der Ukraine-Krise und den Anschlägen des Islamischen Staates steigt die Ungewissheit einer Terrorgefahr – auch in Deutschland. Der Drang nach Sicherheit macht sich hierzulande wieder verstärkt bemerkbar. Die Bevölkerung realisiert allmählich, dass unser Land verwundbar ist. Die Gefahr befindet sich nun nicht mehr auf der anderen Seite der Welt, sondern wenige Meter vor der eigenen Haustüre.

Doch wie reagiert die Politik auf die steigende Terrorgefahr und das dadurch eingehend stärkere Verlangen der Bevölkerung nach Sicherheit?

 

„Die Zeit des Schrumpfens ist vorbei“ – Ursula von der Leyen

Vor drei Jahren hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen auf der Münchener Sicherheitskonferenz das Ende der militärischen Zurückhaltung Deutschlands verkündet. Bis zum heutigen Zeitpunkt erwies sich die Umsetzung allerdings als sehr schleppend. Durch jahrelanges Abrüsten und die geringe Wertschätzung verlor die Truppe ihre Attraktivität, ihre Zugkraft, ihre guten Leute und ihre Leistungskraft. Doch dies soll sich jetzt alles ändern.

Nicht zuletzt durch die Forderung aus den USA, die Deutschen müssen mehr für ihre Verteidigung ausgeben, ist die Verteidigungsministerin der Ansicht, dass mithilfe der EU das politische und militärische Gewicht Deutschlands auf dem Kontinent und weltweit vergrößert werden muss. Dies soll mit einem Wachsen des Militärs und einem Steigen der Rüstungsausgaben geschehen. Immerhin ist die Bundesregierung entschlossen, den Verteidigungshaushalt von ca. 37 Milliarden Euro zu verdoppeln.

Des Weiteren soll die Zahl der Soldaten bis 2024 auf mindestens 198.000 erhöht werden. In einem Gastbeitrag der Süddeutschen Zeitung schreibt von der Leyen: „Wir Deutsche und die meisten Europäer haben uns viel zu lange bei der Sicherheitsvorsorge auf die breiten Schultern unserer amerikanischen Freunde verlassen. Und ja, wir wissen, dass wir einen größeren, einen faireren Teil der Lasten für die gemeinsame atlantische Sicherheit tragen müssen.“

Das Ziel ist also klar: Das Militär soll wachsen und wieder mehr Verantwortung innerhalb des Landes, sowie in der Europäischen Union übernehmen. Ob sich diese Ziele umsetzen lassen, wird sich in der Zukunft zeigen. Während das Aufrüsten finanziell bewältigt werden kann, lässt sich jedenfalls eines nicht bezahlen: Der Respekt und die Anerkennung für die Soldaten, die ihre Pflicht als Staatsbürger in Uniform leisten.

 

A. M.

 

 

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G. Czekalla https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundeswehr_Reichstag_Dem_Deutschen_Volke.jpg

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