Meeresverschmutzung  –  Glaubt man der Statistik, treiben aktuell rund 150 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Meeren und Ozeanen unserer Erde umher. Die Plastikmassen gelangen über Schiffe und direkt uns Menschen ins Meer und. Dort dauert es oft mehrere Hundert Jahre, bis die Stoffe restlos zerfallen sind. Es stellt sich die Frage, wie der Mensch in diesen eingefahrenen Rhythmus noch eingreifen kann.

Die Ozeane bedecken rund drei Viertel unserer Erde und ohne sie wäre kein Leben möglich. Doch genau dort befindet sich, was eigentlich nicht dorthin gehört. Der „Stoff für den schnellen Gebrauch“, Plastik. Im Gegensatz zu anderen Stoffen wie Papier oder Blech zerfällt Plastik nicht. Es zersetzt sich und ab dann beginnt für die übrig gebliebenen Plastikpartikel eine endlose Reise vom Meer über unser Grundwasser bis hinein in unsere Nahrungs- und Gebrauchsmittelkette.

Bedrohliche Folgen

Auch die Meerestiere sind den Verschmutzungen widerstandslos ausgesetzt. Anstelle eines typischen Mageninhaltes sammeln sich bunte Plastikreste wie Flaschendeckel oder Feuerzeuge in den Mägen der Tiere, welche in Folge dessen früher oder später daran zu Grunde gehen. Laut Statistiken der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences, deren Forscher zwischen 1962 und 2012 Analysen bei rund 186 Vogelarten durchführten, werden 99% aller Seevögel bis zum Jahr 2050 mindestens einmal Plastikpartikel über die Nahrung aufgenommen haben. Eine erschreckende Tatsache, der weltweit nur durch eine drastische Reduzierung des Müllaufkommens entgegengewirkt werden kann. Doch wie auch beim Thema Klimawandel stellt dies eine fast unlösbare Herausforderung dar.

Zwangsläufig befindet sich auch der Mensch in Gefahr. Gifte in Plastikteilen, für die der Mensch selbst verantwortlich ist, werden am Ende zur Gefahr für ihn.Die im Plastik gebundenen Gifte werden mit jeder Fischmahlzeit aufgenommen“, so Kim Detloff, Leiter der Abteilung Meeresschutz beim Naturschutzbund (NABU). „Die Gifte landen auf unserem Teller. Sie sind allgegenwärtig im marinen Nahrungsnetz.“ Selbst beim Duschen gelangen durch Peelings, Duschgel oder ähnliche Substanzen kleine Mikro Partikel mit in die Abwässer. Doch obwohl die Abwässer in Klärwerken aufgefangen werden, schaffen es die Plastik Partikel trotzdem zu überleben. Sie sind zu klein, um in den Filtern der Kläranlage aufgefangen zu werden.


Die Ursachen verringern

Meeresforscher gehen davon aus, dass sich im windstillen Teil des Pazifiks und an einigen weiteren Stellen in den Ozeanen riesige Plastikstrudel gebildet haben. Diese Teppiche sind flächenmäßig etwas genauso groß wie Mitteleuropa. Die Schuld für dieses Ausmaß an Müllaufkommen kann zwar nicht genau nachverfolgt werden, dennoch sehen Forscher die Fehler bei Haushalten und der Industrie. Fehlerhafte Mülltrennung aber auch Winde und Hochwasser können die Müllreste ins Meer spülen. Auch Touristen verursachen ein immenses Abfallaufkommen, an dessen Beseitigung einige Länder schlichtweg überfordert oder gar desinteressiert sind..

Die Strände der Ozeane sind teilweise komplett von Plastikmassen überdeckt.

Initiativen zur Müllbekämpfung

Rückgängig können diese Umweltschäden wohl nicht gemacht werden. Trotzdem kann jeder einzelne Bewohner dieser Erde einen kleinen Teil zur stetigen Besserung beitragen. Eine der wirkungsvollsten Aktionen in Richtung Müllreduzierung war die Einführung einer Gebühr für Plastiktüten im Handel. Kunststoffe müssen recyclebar und biologisch abbaubar sein, vor allem in den Industrieländern. Damit wäre zumindest die lange Lebensdauer von Plastik reduziert. Diverse Umweltorganisationen haben bereits vor langer Zeit angefangen, entsprechende Kampagnen zur Reduzierung der Plastikmassen in den Weltmeeren durchzusetzen. So auch der WWF. Eine Maßnahme ist die sogenannte „Fishing for litter“ Initiative, durch die Fischer in die Meeressäuberung einbezogen werden sollen. Sammeln diese bewusst umhertreibenden Plastikmüll ein, erhalten sie hierfür eine gesonderte Prämie.

 Professionelle Versuche, die Plastikteppiche anhand von Netzen aus dem Meer zu ziehen birgen oft die Gefahr, damit auch Fische und andere Meeresbewohner aus ihrem Lebensraum zu ziehen oder dadurch sogar zu töten. Des Weiteren fördern die in diesem Zuge eingesetzten Schiffe durch ihre CO2 Ausstöße keinesfalls eine saubere Umwelt. Die Kosten für dieses Projekt, das flächendeckend umgesetzt werden müsste, sind enorm. Jeden Tag landen etwa 8 Millionen Partikel Müll in unseren Meeren, und die Verursacher dessen müssen konsequenter bekämpft werden. Denn trotz zahlreicher internationaler, regionaler und nationaler Anstrengungen ist eine Lösung des Müllproblems bisher noch nicht zu Stande gekommen. Auf Helgoland wurde im Sommer 2016 die Meeresverschmutzung sogar anhand von 50 Millionen Tonnen „umweltfreundlichem“ Popcorn simuliert, um per Satellit eventuell zukünftige Plastikreste im Meer erkennen und beseitigen zu können.

 

Kleine Tipps, große Wirkung

Die Umweltorganisation NABU hat es sich zum Ziel gesetzt, an der Nord- und Ostseeküste Deutschlands immer wieder durch gezielte Aktionen Müll einzusammeln und hat Info Materialien erstellt. Mehr Informationen hierzu sind auf https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/aktionen-und-projekte/meere-ohne-plastik/ zu finden. Ein weiterer kleiner Schritt zur Unterbrechung des Rhythmus geht das Biotech Start-Up Unternehmen „Bionic Yarn“, das den Plastikmüll direkt aus dem Meer fischt und zu Garn weiterverarbeitet. Dieser wird später zur  Herstellung von Kleidung genutzt. Doch all diese Aktionen sind aus Sicht der Experten auf nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Der wichtigste Weg zur Problembekämpfung bleibt deshalb, das Plastik von den Meeren fernzuhalten und im besten Fall zu recyceln – oder gar nicht erst zu benutzen.

 

https://www.oceancare.org/de/unsere-arbeit/meeresschutz/plastikverschmutzung/reduktion-des-plastikeintrags-die-ozeane/
http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2015-09/seevoegel-plastik-muell-meeresverschmutzung
http://www.wwf.de/themen-projekte/meere-kuesten/unsere-ozeane-versinken-im-plastikmuell/
https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/aktionen-und-projekte/meere-ohne-plastik/
https://www.welt.de/dieweltbewegen/sonderveroeffentlichungen/nachhaltigeverpackungen/article118387922/Der-achte-Kontinent-besteht-aus-Muell.html

Anne Päckert

Categories: Allgemein, Umwelt

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