Wir wohnen in Deutschland und erwarten in einer Welt zu leben, in der es für Probleme immer Lösungen gibt. Wer nur ausreichend Geld besitzt, braucht sich um seine Zukunft und die noch möglicherweise kommenden Probleme keine Sorgen zu machen, schließlich hat man ja als pflichtbewusster Bürger mindestens ein Sparkonto damit beauftragt, genau für diese Fälle einem den Rücken freizuhalten. Das ermöglicht einen Lebensstil, der sich nur zwischen unterschiedlichen Sportarten und Fremdsprachen in der Volkshochschule entscheiden muss. Vielleicht hat man ja das Glück, eine Familie zu haben, in der die eigenen Kinder  sonntags bei den Großeltern Kaffee und Kuchen bekommen, in der täglich der Hund ausgeführt wird und in der es selbstverständlich ist, genügend von allem zu haben. Dann ist es das Leben in deutscher Idealform.
Doch was, wenn man nicht dieses Glück hat? Ist man allein oder auf die Hilfe anderer angewiesen, weil man arm ist oder krank, dann wird einem gewahr, dass das Leben sich nicht nur am Einkommen und den sozialen Umständen messen lässt. Man ist angewiesen auf Menschen, die freiwillig und unentgeltlich helfen. Glücklicherweise engagiert sich bereits jeder Dritte in Deutschland sozial.
Im Krankenhaus Besuchsdienst zu machen,  sein Leben bei Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehr  zu riskieren oder sein Kreuz beim Heben alter Menschen im Heim zu ruinieren, warum tut jemand sowas, wo er doch scheinbar keinen Nutzen daraus erzielt… oder doch?
Was die Motivation solcher Menschen ist, welchen Nutzen sie sich daraus ziehen und warum es mehr von ihnen geben sollte, das wird im Folgenden näher betrachtet.
Soz.Engagement-Hand
Gesellschaftlliche Mitgestaltung
Wer sich in Deutschland einbringen will, etwas bewegen oder anpacken will, der tut dies meist in einem Ehrenamt. Denn dort sind die Hürden des „normalen“ Lebens nicht mehr von Bedeutung, Hürden wie zu Beginn skizziert: Geld, Beziehungen und sozialer Status.
Jeder kann und darf mitgestalten! Sei es das dankbare Lächeln der Asylanten, denen man gerade mit einem warmen Essen eine große Freude gemacht hat, die sonst so einsame Großmutter anderer, die mit ihren Geschichten vom Krieg endlich einen interessierten Zuhörer gefunden hat oder der Bundesfreiwilligendienstleistende vom Kinderhort nebenan, der gutgelaunt mit den Kindern Fußball spielt. Sie alle hauchen unserer Gesellschaft Herzlichkeit ein, die durch Geld und Egoismus niemals erreicht werden könnte.
Wenn niemand mehr sich mit solcher Hingebung dieser sozialen Verantwortung stellt, werden gerade ländliche Gebiete stark an Lebensqualität verlieren. Denn berufliche oder staatliche Einrichtungen sind häufig auf den städtischen Raum begrenzt, sodass auf dem Land lebenswichtige Organe wie zum Beispiel die Feuerwehr oder der sanitäre Rettungsdienst von Freiwilligen gestemmt werden müssen.

Unerschöpfliche Vielfalt
Es gibt die unterschiedlichsten Gelegenheiten, sich sozial zu engagieren. Generell lassen sie sich jedoch in zwei Arten einteilen: Regelmäßig und temporär. Zu den Regelmäßigen gehören Ämter in Vereinen oder Einsätze in lebenswichtigen Einrichtungen wie der Feuerwehr oder dem sanitären Rettungsdienst. Das temporäre Engagement ist mein saisonal abhängig oder an ein bestimmtes Ereignis angegliedert. Beispiele hierfür wären das Sammeln von Spenden zur Weihnachtszeit oder das Betreuen von Kindergruppen beim Ferien-Zeltlager.
Überall, wo Vereine ihren Teil zu einer bunten Gesellschaft beitragen oder Menschen dankbar für Unterstützung von anderen sind, werden automatisch Stellen für engagierte Menschen mit den verschiedensten Interessen geschaffen. Dies sorgt dafür, dass  theoretisch jeder eine Aufgabe übernehmen könnte, die in seinen Interessensgebieten liegt. Und doch haben sie alle etwas gemeinsam: Sie tragen und erweitern das soziale Engagement.

Persönliche Weiterentwicklung
Wer für seine Interessen das richtige Ehrenamt gefunden hat, der tut nicht nur für andere Gutes, denn sozial Engagieren gibt dem Leben einen neuen Sinn. Es erinnert einen wieder daran, worum es im Leben wirklich geht, lässt einen ein Teil des großen Ganzen sein. Wer nur noch sich selbst bejammert, wird durch ein Ehrenamt wieder aufblühen und offener dem Leben  gegenüber werden. Dem eigenen und dem anderer.
Wer ziellos umhertreibt zwischen Job und Familie, dem wird soziales Engagement Halt geben. Man hat wieder ein Ziel vor Augen und kann seinem Leben wieder neu ausrichten. Außerdem lernt man ständig etwas dazu. Beispielsweise Gruppen richtig zu leiten, einem Schwerverletzten schnellstmöglich erste Hilfe zu leisten oder, so banal es auch klingen mag, anderen zu vertrauen. Und wer weiß… schon manches gute Gespräch mit anderen Freiwilligen führte zu neuen Erkenntnissen und endete in Freundschaft.
Soz.Engagement-BlumenEs gibt kein Rezept für das Leben, schließlich hat jeder ein anderes hinter und noch vor sich. Für manche mag die Arbeit Erfüllung bieten, für andere die Familie.
Doch liegt es wirklich in unserem Interesse, unseren Kindern eine Welt zu hinterlassen, die vergessen hat, dass es ein Miteinander gegeben, es immer noch ein Miteinander gibt und es auch in Zukunft ein Miteinander braucht. Will man wirklich in einer Welt leben, die Geld endgültig über alles hebt? Wo Mitgefühl so stark dem Streben nach materiellem Gewinn untergestellt ist, dass uns nicht auffällt, wenn immer mehr im Schatten stehen?
Das kann und ist nicht der Weg den wir gehen sollten. Stattdessen sollten alle ihre Stärken gemeinnützig einbringen, damit jeder davon profitieren kann.
Menschen sind wie Blumen…

denn Blumen wachsen nicht allein.

Bernhard Stadler

Categories: Allgemein, Lifestyle

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