Seit langem gibt es weltweit Diskussionen wieso wir doch so viele sind, die niemanden passenden finden können oder doch die Partnerschaft vermeiden. Tragen wir die Schuld oder die heutige moderne Gesellschaft und die sozialen Netzwerke die uns beeinflußen…?

So ein erfreuliches Wort, Das Kennenlernen, hat heute seinen Sinn verloren. Mit jemandem sich anzufreunden, seine Träume, seine Ziele, seine Gedanken, seine Fantasie, seine Trauer und Tränen zu teilen ist irgendwie von diesem Planeten flüchtig verschwunden. Sich in eine Beziehung einzulassen die dich mit etwas Neuem vetraut macht, die dir schon bekannt ist, die dir viele Fragen stellt, dich in eine unerwartete Richtung leitet, oder die Eine, die dich von vornherein ganz weit bringt oder wieder aufs gleiche zurückführt. Von Tag zu Tag wird es sichtbar und auf unserer eigenen Haut spürbar, wie das digitale Zeitalter mit unseren Gefühlen spielt. So stellt man sich die Frage, wie kommt man zu so einem Kennenlernen was eine längere Überlebensaussicht hätte.

 

Veränderte Rollen zwischen Mann und Frau

Vielen Frauen ist es heute wichtig geworden etwas selbstständig aufzubauen, selber ihr Geld zu verdienen und auf niemanden angewiesen zu sein. Setzen sich große Ziele mit steinigen Wegen und das selbe erwarten sie auch von denjenigen den sie kennenlernen. Einen erfolgreichen, lebenslustigen, gebildeten, interessanten und zuvorkommenden Mann an ihrer Seite. Eingeschränkt und eingeschlossen in deren eigenen Erwartungen, dass sie die Liebe nicht mal spüren würden, wenn sie an der Tür anspaziert käme.

Die Männer haben einfach die Chance verloren die Frau „zum Lachen zu bringen“. Eingeschüchtert von uns, versuchen sie nicht mal mehr das andere Geschlecht in der Öffentlichkeit anzusprechen um keine Abfuhr zu bekommen. So kam es dazu, dass die größere Menge über die sozialen Netzwerke „die Liebe ihres Lebens“ kennenlernen möchte.

Freudlose und verzweifelte Zeiten stehen vor uns. Die gesamte Kommunikation hat sich auf Textniveau verlagert, anstatt die Initiative zu ergreifen und der Person in die Augen zu schauen. Man versteckt sich hinter irgendwelchen Pseudonymen. Dinge sollten sich ändern. Man sollte aufhören an alten, überholten Vorstellungen zu halten, sondern sich was komplett Neuem öffnen. Seine wahren Gefühle herauslassen.

 

Tinder, LOVOO und die restliche Liebeskiller-Bande

“Ich dachte, ich melde mich ganz ohne irgendwelche Hintergedanken auf Tinder an. Obwohl ich so viel schlechte Rezensionen über die Seite hörte, dachte ich trotzdem, ich versuche mein Glück. Ich klick mich durch die Tinder-Männer durch und plötzlich, Boom! Mein Traummann! Ich gab ihm ein super like und er schrieb mir zurück. Tagelang haben wir uns angeschrieben und er wollte, ob man es glaubt oder nicht, dasselbe wie ich – eine feste Beziehung. Endlich, nach langen Tagen und Nächten, endschlossen wir uns persönlich zu treffen. Habe mich ganz schön herausgeputzt, da es mein erstes Blinde Date war. Kam ein bisschen früher. Mein Herz raste wie nie zuvor. Endlich traf er auch an. Ich dachte das könnte mein Er sein, der Eine. Wir verbrachten einen wunderschönen Abend zusammen und ich ging mit einem unglaublichen Gefühl nach Hause. Aber dann geschah was Unerwartetes. Ich wollte mich bei ihm für die schöne Zeit mit einer kurzen SMS bedanken. Plötzlich traf mich die kalte Wahrheit- kann ihn nicht mehr in meinen Kontakten finden. Er hat mich blockiert. Wahrscheinlich wollten wir doch nicht dieselbe Sache.“  Zorana, 24.

Ich denke, dass diese Aussage Tinder von Kopf bis Fuß darstellt. Ein Warenhaus der Freude, was mit echten Gefühlen nichts zu tun hat. Das Kennenlernen baut sich auf einer Lüge von vornherein. Wahrscheinlich hat jeder, der sich auf diese kommerzielle Mobile-Dating-App eingelassen hat, so eine kaltblutige Geschichte hinter sich. Diese Dating-Apps tragen eine märchenhafte Vision als wäre Männern und Frauen alles auf einer silbernen Platte serviert. Das gleichzeitige Schreiben mit mehreren Personen und das Treffen mit denselben. Menschen, die nach so viel Aufmerksamkeit suchen, sind in ihrer Einsamkeit versunken.

 Es bildet sich eine Gesellschaft mit bindungsunwilligen Menschen, größtenteils Männern, in der keine Emotionen mehr entstehen. Sie haben durchaus vergessen wie es ist, wenn man jemanden nach dem Kennenlernen auch innerlich kennenlernen möchte. Sind feige eine solche Verpflichtung auf sich zu nehmen. Er muss da sein, sich kümmern, nebenbei stehen. So ist es viel einfacher. Die Männer kämpfen nicht mehr, sie geben sich leicht geschlagen. Selten werden noch die Kämpfer auffindbar. Irgendwie fällt alles auf die körperliche Beziehung. Man hofft, dass hinter jeder Ecke etwas Besseres, Interessanteres und Erfüllendes kommt. Man kann es auch so verfassen: hinter dem kennenlernen stehen nur paar Dates und nichts weiter.

Im Nachhinein liegt die Wahrheit darin, dass sich die Meisten auf die Einsamkeit gewöhnt haben und nicht mehr wissen, wie sie sich aufführen sollen, wenn sie jemanden kennenlernen. Jeder hat wahrscheinlich gedacht, dass mit dem digitalen Zeitalter, alles viel einfacher und durchschaubar wird. Aber der Schein trügt. Ich denke trotzdem, dass viele von uns noch nach der wahren Liebe streben. Man sollte sich einfach Zeit für sich selber nehmen und überlegen was man vom Leben will und mit wem man es verbringen möchte. Mit jemandem der dich so nimmt wie du bist. Dabei sollte man immer noch schön brav auf sein Herzchen aufpassen.

 

J. Totic

 

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Categories: Allgemein, Beziehung, Liebe

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