Ballett – der Mädchensport schlechthin. Viele Mädchen träumen davon einmal „Prima Ballerina“ zu werden. Doch viele wissen nicht, was sie alles dafür tun müssen. Und was genau sie später, wenn sie einmal groß sind erwartet.

Ein großer leerer Saal, mit einer riesigen Spiegelfront und mehreren Ballettstangen in München. Es ist Montagnachmittag und die Unterstufenklassen der professionellen Ballettschule in München haben Unterricht. In den Umkleiden bereiten sich alle Schüler auf den klassischen Ballettunterricht vor. Alle ziehen sich eine weiße Strumpfhose und ein einheitliches Trikot an. Die Haare werden streng nach hinten zu einem festen Knoten gebunden und dann wird noch etwas Haarspray auf die Haare gesprüht. Schon geht es mit Spitzenschuhen und Trinkflaschen in den Saal, um die Muskeln zu dehnen und sich auf den kommenden Unterricht vorzubereiten.

Alltag eines Studenten

Um „Prima Ballerina“ zu werden, wird einem jungen Mädchen im Alter von 9 Jahren sehr viel abverlangt. Wenn man an der Ballett Akademie im Kindesalter die Aufnahmeprüfung besteht, ist man ab dem Moment Student an einer Hochschule für Musik und Tanz. Selbst bezeichnet man sich, aufgrund des Alters, als Schüler. Das täglich zwei-stündige Tanztraining, den Ehrgeiz und die große Selbstdisziplin, die ein kleines Mädchen mitbringen muss. Zwei Stunden absolutes schweigen der Schüler. Man hört nur den Pianisten auf dem Flügel spielen, die Trainerin, die einen korrigiert und erklärt wie man Bewegungen richtig ausführt.

Jedes Kind macht sich direkt nach der Schule auf dem Weg in den Tanzunterricht. Auf dem Heimweg um neun Uhr, werden die Hausaufgaben für den nächsten Tag, im Auto, in der S-Bahn oder U-Bahn erledigt. In den Übungsstunden lernt man sich selbstkritisch zu betrachten. Jeder versucht Bewegungen und Köperhaltung bis ins kleinste Detail richtig auszuführen. Für die Prüfungen, die jedes halbe Jahr stattfinden wird hart gearbeitet. An diesen Tagen wird man genau unter die Lupe genommen. Wie entwickelt sich der Körper, ist man zu groß geworden, oder zu dick, oder hat man in dem letzten halben Jahr überhaupt Fortschritte gemacht. An diesen Tagen stellt sich heraus, ob sich die harte Arbeit gelohnt hat oder nicht. Wer die Prüfung besteht kommt eine Klasse weiter, wer nicht fliegt von der Schule.

Als Student der Ballett Akademie in München, darf man auch das Tanzen auf der Bühne erfahren. Das ist einer der tollsten Erfahrungen die Studenten sammeln dürfen. So hat man die Möglichkeit, die Kulissen, die Garderoben und die riesen Bühne der Bayerischen Staatsoper zu erkunden. Der größte Traum vieler junger Tänzer ist es doch, auf einer großen Bühne mit großen Tänzern und Tänzerinnen zu stehen und das Publikum zu begeistern.

Durchhaltevermögen ist gefordert

Ballett ist Leistungssport. Man muss hart zu sich selbst sein um etwas erreichen zu können. Ab dem Alter von 6 Jahren, hofft jeder die große Tänzerin, der große Tänzer zu werden. Einmal berühmt zu sein, sein Geld mit dem Hobby zu verdienen und viel Spaß an seinem Beruf zu haben. Nach ein paar Jahren harten Balletttraining, halten viele den strengen Unterricht nicht mehr aus. Sie wünschen sich wieder ein normales Leben führen zu können. Das Leben normaler Teenager. Zur Schule gehen, lernen, Hausaufgaben machen, sich mit Freunden Treffen und am Abend ausgehen zu können. Viele geben dann ihre Profi Karriere auf und machen Ballett nur noch als Hobby-Sport. Viele versuchen aber auch beide Welten unter einem Hut zu stecken, was langfristig aber meist nicht klappt und dazu führt das Professionelle Ballett aufzugeben.

In dieser Zeit erlebt man nicht nur das Scheitern von manchen Mädchen, sondern auch die einzelnen Tücken des Balletts. Viele Jugendliche werden aufgrund der Situation magersüchtig oder erleiden sonstige Essstörungen. Viele haben auch einfach Probleme mit kaputten Knien, Füßen oder Rücken. Jedem schmerzt es an anderen Stellen, aber man gibt nicht auf. Der schmerz wird nicht beachtet. Denn geht man zum Arzt, streicht der einem vielleicht für einen Zeitraum das Training. Das kann man sich leider nicht leisten, das ist wertvolle Zeit, die einem zum Üben genommen wird. Erstrecken sich die Knie schmerzen auf zwei oder drei Jahre, wird doch eingesehen zum Arzt zu gehen. Dieser verschreibt einem Krankengymnastik, eine Knie Bandage und zum Schluss kommt es wegen der Schmerzen doch zu einer Knie-Op.

Nach eineinhalb Jahren Tanz Pause, wagt man sich wieder in das erste Training und es wartet viel Arbeit auf einen. Die Muskeln müssen wieder aufgebaut werden und man muss das verpasste wieder aufholen. Ehrgeiz, Selbstdisziplin und Geduld sind gefordert. Das führt dazu darüber nachzudenken, ob man das Leben einer Tänzerin wirklich möchte. Sein ganzes Leben im Saal und auf der Bühne zu verbringen, für eine Karriere die mit 30 Jahren endet. Das Privatleben und soziale Kontakte außerhalb des Tänzer-Lebens hinten anzustellen. Ist es einem das alles wirklich wert? Liebt man das Tanzen wirklich so sehr, um dafür zu leben? Hat man wirklich das Zeug dazu, groß raus zu kommen und nicht nur hinten im Corps de Ballet zu tanzen?

Ballett muss von einem gelebt werden, es darf nichts Wichtigeres geben. Beim Ballett hat man nie ausgelernt, es gibt immer etwas das verbessert werden muss. Das Tanzen soll einem doch Spaß machen, es soll nicht zur Unzufriedenheit führen. Klar, auf einer großen Bühne zu stehen und ein begeistertes Publikum klatschen zu hören, ist ein wahnsinnig gutes Gefühl. Aber sind einem die Opfer für eine so kurze Karriere wert? Ich selbst hab mich dagegen entschieden. Ich persönlich habe eine wunderschöne Zeit gehabt und durfte viele Erfahrungen sammeln. Mein größter Traum war es zwar mit einer berühmten Ballett Company auf Tournee zu gehen, auf großen Bühnen zu Tanzen und gleichzeitig viel von der Welt zu sehen. Jedoch ist es mir nicht Wert, eine Risikoreiche Karriere zu beginnen. Mit einer Verletzung kann sich auf einmal der Traum in Luft auflösen. Mir soll das Ballett noch weiter Spaß machen aber ich will nicht dafür Leben müssen.

Sarah Thiem

Categories: Allgemein, Sport

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