Eine Freundin sagte Samstagabends auf einer Party zu mir: „Weißt du was? Das ist Glück! Keine Termine und leicht einen sitzen.“ Im ersten Moment habe ich nur gelacht und mir darüber nicht weiter Gedanken gemacht. Aber Montagmorgens auf dem Weg zur Arbeit kam mir wieder dieser Satz in den Kopf und ich fragte mich, ob ich überhaupt glücklich bin. Was macht mich überhaupt glücklich? Die Arbeit, eine schöne Beziehung oder nette Menschen? Jeder Mensch stellt sich irgendwann im Leben die Frage, ob er glücklich ist. Aber wer ist eigentlich am glücklichsten?

Glück – was ist das eigentlich?

„Glück ist das Maß oder Grad, in dem ein Mensch mit der Qualität seines eigenen Lebens insgesamt zufrieden ist. Anders ausgedrückt bezeichnet Glück das Maß, in dem man das eigene Leben mag.“ Soziologe Ruut Veenhoven

Weltkarte

© Adrian White, Analytic Social Psychologist, University of Leicester (2006)

Ich fing an mich über die Definition von Glück zu informieren: besonders günstiger Zufall, erfreuliche Fügung des Schicksals, angenehme, freudige Gemütsverfassung. Einige Glücksforscher behaupten auch, dass ein seelisches Gleichgewicht die Grundvoraussetzung für Glück ist, andere wiederum sind der Meinung, dass man das Wort „Glück“ gar nicht einheitlich definieren kann. Was man allerdings weiß ist, dass Glück keine Folge von Reichtum ist. Auch kluge und attraktive Menschen sind nicht glücklicher als Normale. Sogar schwere Unfälle oder Verluste müssen nicht zwingend unglücklich machen. Glück ist das Resultat aus selbstbestimmten Handeln, das bedeutet wer durch freie Entscheidungen sein Glück selbst in die Hand nimmt, kann den Ausgleich schaffen zwischen dem, was man hat und dem, was man will.

Die Entwicklung des Glücksempfindens

Allerdings haben Wissenschaftler herausgefunden, dass das persönliche Glücksempfinden stark abhängig vom Alter ist. Man kann im Allgemeinen das Glück in drei Lebenszyklen unterteilen. Im ersten Abschnitt befindet man sich in der Genussphase. Man hat Erwartungen und Hoffnungen und noch alle Möglichkeiten frei, sich seine Wünsche zu erfüllen. Als junger Mensch steht man ständig etwas Neuem bevor. Jeder kennt das wahrscheinlich selbst: der Schulabschluss, die Berufswahl, die erste Wohnung…so viele Etappen, die man im jungen Alter vor sich hat. Von daher liegt das Glück der jungen Generation im Hier und Jetzt. Sie freuen sich auf das, was noch kommt und was sie noch erreichen können. Außerdem lebt in ihnen das Gefühl von Freiheit, Leichtigkeit und Abenteuerlust. Wenn man einen 20-jährigen Menschen fragt, was für Ihn Glück bedeutet, könnte man folgende Antwort bekommen:

„Glück ist für mich meine Zeit mit dem verbringen zu können, was mich stolz macht und was mir das Gefühl von Freiheit, Verständnis und Liebe gibt – egal ob Mädels-Abende, gemeinsame Zeit mit den Eltern oder meinem Freund, ein Hobby ausüben zu können oder eine Arbeit zu machen, hinter der man steht und deren Ergebnis einen stolz macht. Es gibt doch so viel, was glücklich macht. Ein schönes Motiv zufällig zu entdecken und ein Foto davon zu machen; einen Menschen zu treffen, der einem zeigt, wie schön das Leben ist und bei dem man sich komplett geborgen fühlt; das Gefühl nach dem Sport – die Mischung aus anfänglichem Muskelkater, Erschöpfung und Entspannung; ein gutes Essen, das man davor mit Liebe gekocht hat und dann mit Genuss essen kann; ein Lied zu hören, bei dem man sich komplett verstanden fühlt und was die eigenen Gefühle wiederspiegelt; den Sand am Meer zwischen den Zehen zu spüren und zu wissen, dass man von jemandem geliebt wird.“

Die Erwartungen und Wünsche verändern sich jedoch im Alter langsam. Man wird allmählich von der Realität eingeholt und es wird einem bewusst, dass man mit 40 Jahren nun mal kein Rockstar mehr werden kann. Es passiert nicht mehr ständig etwas Neues, der Alltag spielt sich ein und es dreht sich mehr darum, Verantwortung zu übernehmen. Man befindet sich hier also in der Verantwortungsphase. Meist ist man damit beschäftigt, die Beziehung, den Job und die Kinder unter einen Hut zu bringen. Auch wenn Wünsche nicht erfüllt werden konnten, sind Viele mit Ihrem Leben unzufrieden, da der Schwerpunkt des Glücks nicht mehr in der Zukunft liegt, sondern in der Gegenwart. Und jetzt fragt man doch mal ein 40-jährigen Erwachsenen, wie würde wohl hier die Antwort aussehen?

Vielleicht so: „Glück bedeutet für mich, absolut zufrieden mit dem sein zu können, was man hat oder ist oder was man erreichen konnte. Wenn man den Menschen gefunden hat, mit dem man sein ganzes Leben verbringen möchte; morgens aufzuwachen und die Familie neben sich zu haben; mit einer Zigarette und einem Espresso in der Sonne zu sitzen, gesund und sorgenfrei zu sein; andere Leute glücklich zu sehen oder neues von sich selbst zu entdecken; die Tatsache, überhaupt auf der Welt zu sein und jeden Tag neu zu erleben, aber auch die freie Zeit zu haben, das Leben zu genießen. Manchmal bedarf es allerdings an Kraft, das Glück bewusst zu behalten und nicht durch den „Alltag“ schmälern zu lassen.“

Sobald es dann Richtung Rente geht, kann man sich laut wissenschaftlicher Aussagen wieder auf ein höheres Glücksniveau freuen. Eine Studie sagt, dass mit zunehmendem Alter das Leben in der eigenen Wahrnehmung besser wird. Das liegt hauptsächlich daran, dass ältere Menschen gelernt haben, Ihre Erwartungen zu senken und das Erreichte anzunehmen. Diese Generation profitiert von den beiden vorherigen Lebenszyklen. Sie lebt von den Erlebnissen und Erfahrungen ihrer Vergangenheit und beruft sich auf die Realität. Man kann wieder anfangen, das Leben zu genießen – sofern man gesundheitlich keine Probleme hat -, da man sich wieder mehr mit sich selbst beschäftigt. Dennoch übernimmt man weiterhin die Verantwortung aus der vorherigen Phase, die man z.B. für die eigenen Enkelkinder aufbringt. Man braucht nur einmal seinen eigenen Großeltern zuzuhören. Sie erzählen Geschichten aus Kriegszeiten oder wie schön es doch vor einigen Jahren mit den Enkelkindern im Urlaub war, als Sie selbst noch fitter waren. Sie halten also sehr an Erinnerungen fest und die Erwartungen reduzieren sich, da sich Wünsche entweder erfüllt haben oder man sie sich nicht mehr erfüllen kann. Je älter man wird, desto einfacher ist es also, das Glück für sich selbst zu definieren, da die Vielzahl der Möglichkeiten, die man als junger Mensch hat, im Alter einfach geringer werden.

Die Großeltern empfinden also vielleicht das als Glück: „Die Zufriedenheit kommt im Alter, denn man fängt an, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind. Da reicht schon ein schöner Abend mit der Familie und den Enkelkindern, den Nachbarn zu treffen und den neusten Straßenklatsch auszutauschen oder sich einmal in der Woche mit Gleichgesinnten zum Kartenspielen zu treffen. Man ist schon glücklich, wenn man bei Sonnenschein mit dem Fahrrad durch die Stadt fährt oder morgens gemütlich mit Zeitung und Kaffee auf den Balkon sitzten kann.
Denn nicht das, was man auf dem Konto hat, macht glücklich, sondern das, was man im Kopf hat.“

Glück kann also von jedem unterschiedlich empfunden werden und hat nichts mit Reichtum, Attraktivität oder Wissen zu tun. Es hängt viel mehr von der eigenen Einstellung und Denkweise ab. Egal ob jung oder alt, man findet es immer wieder – das Glück.

Weg zum GlückAntonia P.

Categories: Allgemein, Lifestyle

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