Als wir jünger waren, haben unsere Eltern uns noch vor Fremden, die uns Gummibärchen auf dem Spielplatz anbieten gewarnt. Fremden, die mit ihren Autos am Straßenrand Halt machen und uns erzählen sie hätten Babykätzchen zu Hause. Aber wieso hat uns eigentlich keiner vor Fremden im Internet gewarnt?

Das Haus lag in einer ruhigen Nachbarschaft mit gepflegten Vorgärten, hübschen Autos in den Einfahrten und Ball spielenden Kindern auf der Straße. Alles wirkte unscheinbar normal in dem kleinen Vorstädtchen bis auf die zugezogenen Vorhänge bei Hausnummer 12.
Die Beiden standen nun schon etwas länger als fünf Minuten in der Einfahrt und versuchten angestrengt eine Silhouette oder auch nur einen wagen Schatten hinter den Vorhängen auszumachen, bis sie schließlich klingelten. Wer würde ihnen die Tür öffnen?

 

Catfish – die Serie

Szene, wie diese findet man häufig in der Fernsehserie Catfish, in der es darum geht, vermeintlich echten Social-Media-Profilen auf den Grund zu gehen. Dabei können sich Menschen, die bereits über einen längeren Zeitraum online mit jemandem Kontakt haben, hinter dem sie ein falsches Profil vermuten, an die Moderatoren Nev und Max wenden. Die Beiden überprüfen dann die Online-Identitäten auf Echtheit und machen die Person, die sich hinter dem Profil befindet, ausfindig. Wobei sie alles mit einer Kamera dokumentieren, wie auch die oben beschriebene Enthüllungsszene. Bis zu diesem Zeitpunkt weiß weder der Zuschauer, noch das Kamerateam, ob sie wirklich auf die Person von den Bildern oder auf einen Catfish treffen werden.

Die eine Frage: Schreibe ich wirklich mit dieser Person oder ist alles eine Lüge?

 

Gefahr im Internet

Es gibt mehr als genug Beweggründe sich bei einer Onlinesinglebörse und sozialen Netzwerken anzumelden oder sich sogar eine Dating-App herunterzuladen. Den wenigsten kommt es da in den Sinn, dass sich auf diesen Portalen auch Menschen mit weniger guten Absichten befinden und noch viel seltener wird in Betracht gezogen, dass man dort einem Catfish über den Weg laufen könnte.
Ein Catfish ist jemand, der online vorgibt eine andere Person zu sein und auf diese Weise andere täuscht. Es kann sich dabei um den Identitätsklau einer realen Person handeln, ich gebe also vor ich wäre, beispielweise XY aus meiner Nachbarschaft, oder aber auch um eine fiktive Persönlichkeit. Wobei jedoch in jedem Fall die Bilder eines Anderen verwendet werden.
Bei Anfragen auf ein persönliches Treffen oder einem Videochat reagiert ein Catfish ablehnend und begründet dies meist mit schlechten Ausreden, wie beispielweise: „Meine Webcam ist kaputt.“, „Ich habe kein Auto.“ oder „Ich habe keine Handykamera.“ Aber auch ausgefallenere Geschichten, wie eine plötzliche schwere Erkrankung, werden häufig benutzt.
Der entscheidende Unterschied zwischen einem einfachen Fake-Profil und einem Catfish besteht darin, dass ein Catfish versucht mit anderen Personen in Kontakt zu treten und eine Bindung in Form einer Beziehung oder einer Freundschaft aufzubauen, die oftmals sogar über Jahre aufrecht gehalten wird. Ein Fake-Profil wird jedoch meistens nur benutzt, um anderen Menschen online zu folgen, ohne erkannt zu werden.

Zahlreiche Fremde (Gesichtslose) im Internet, die Social Media Plattformen nutzen.

 

Dunkle Absichten eines Catfish

Den Machenschaften eines Catfish sind schon zahlreiche Menschen zum Opfer gefallen, darunter auch der NBA Star Chris Birdman Anderson, der durch die List eines Catfish wegen Pornografie Minderjähriger der NBA verwiesen wurde. Dabei hatte Shelly Chartier, die sich hinter einer Handvoll falscher Profile verbarg, ihn auch noch um 3.000 € erpresst.
Es ist keine Seltenheit, dass ein Catfish es auf Geld oder Geschenke abgesehen hat. Ob dieser nun direkt danach fragt oder durch bewegende Geschichten sein Opfer dazu bringt ihm Unterstützung in Form von Geld oder mal einem neuen Handy hier und einer bezahlten Rechnung da, anzubieten. Die versprochene Rückzahlung des geliehenen Geldes bleibt jedoch immer aus.
Eine weitere Option um seinem Opfer Geld abzuknöpfen ist die Erpressung, die sich auch Shelly Chartier zum Gebrauch gemacht hat. Im ersten Schritt gewinnt der Catfish das Vertrauen seines Opfers und es kommt dazu, dass Geheimnisse ausgetauscht werden oder sogar freizügige Bilder und Videos. Wobei er diese im zweiten Schritt als Druckmittel gegen das Opfer verwendet, das bereitwillig zahlt um die Verbreitung der Bilder und Videos im Netz zu verhindern.
Oftmals verbergen sich hinter gefälschten Profilen auch Menschen, die sexuelle Absichten haben und beispielsweise in Kontakt mit deutlich jüngeren Mädchen oder Jungs treten möchten. Dabei hilft es ihnen sich, als Gleichaltrige auszugeben mit denselben Interessen oder aber auch die Identität bekannter Persönlichkeiten zu missbrauchen, wie beispielsweise der Influencerin Zoella (Zoe Sugg). David Harmes, ein 20-jähriger Engländer, gab sich als die Youtuberin aus, um letztendlich mehrere Mädchen zwischen 13 und 18 Jahren dazu zu nötigen via Skype sexuelle Aktivitäten auszuführen. Und das ist leider kein Einzelfall.
Es kann jedoch auch zur Rufschädigung der bekannten Personen (wie Sportler, Stars und Influencer) kommen, wenn falsche Profile für echt gehalten werden.
Abgesehen davon kann sich hinter einem Fake-Profil auch jemand aus unserem direkten Umkreis verbergen, wie eine abgewiesene Ex-Freundin oder ehemalige Freunde, die Rache ausüben möchten. Diese versuchen früherer Streitigkeiten und Vorkommnisse mittels einer gefälschten Identität zu rächen, indem sie ihre Opfer in Online-Beziehungen verwickeln um sie davon abzuhalten, sich mit anderen Menschen zu treffen und neue Beziehungen oder Freundschaften einzugehen. Oder aber sie haben es auf Geheimnisse und Informationen, die die andere Person verletzten könnten, abgesehen, um diese gegen sie zu verwenden.
Die Motive, die einen dazu antreiben einen Fake-Account zu erstellen und zu betreiben, können demnach stark variieren, jedoch fallen sie immer negativ aus.

Häufig lässt sich die Echtheit eines Profils schon mit einfachen Tools und Tricks ermitteln. Manchmal hilft es da bereits mittels Google-Bildersuche die Profilbilder derjenigen Person auf Übereinstimmungen im Internet zu überprüfen. Auch das Team der Serie Catfish nutzt solche einfachen Methoden und kann häufig schon vor dem persönlichen Zusammentreffen mit einem Catfish einschätzen, was sie in etwa erwartet. Durch ein wachsendes Bewusstsein für die Gefahren im Internet kann sich in Zukunft jeder selbst vor den Fallen eines Catfish schützen und muss hoffentlich nie vor einer Tür stehen, hinter der ihn eine böse Überraschung erwartet.

Autor: Leonie Schlegel

 

 

Quellen:

Associated Newspapers Ltd
Global Media & Entertainment Limited company
MGN Ltd.

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