Wer freiwillig Menschen einen Teil seiner Zeit schenkt, wird oft selbst reichlich beschenkt. Das Ehrenamt kann das eigene Leben durch viel Anerkennung und Bestätigung verändern. Es kann einem durch neue Erfahrungen dabei helfen, sich weiterzuentwickeln und und dem eigenen Leben eine sinnvolle Aufgabe geben.

„Wer nichts für andere tut, tut nichts für sich.“ (Goethe)

Sie ging nun doch zum Arzt, wegen eines nervigen Hustens. Leute, die sich in Krankheiten reinsteigern, konnte sie nicht leiden. Ihre Einstellung: Ich werde nie krank sein. Der Arzt hörte ihre Lunge ab und verschrieb ein Medikament gegen die bestehende Lungenentzündung. Dennoch wurde der Husten nicht weniger und sie ging erneut zum Arzt. Ohne Erfolg. Sie krächzte sich Tag für Tag in den Schlaf und wurde immer schwächer und erschöpfte. Da keine Besserung in Sicht war, musste sie irgendwann einen weiteren Arzt aufsuchen. Er untersuchte sie und ließ eine Welt für sie zusammenbrechen.

Die Diagnose: Lungenkrebs.

Mit dieser Krankheitsdiagnose begann ihre Geschichte. Sie beginnt mit dem Geschwür in ihrer Lunge, den darauffolgenden Operationen und den damit verbundenen Gefühlen. Das Gefühl der Hilflosigkeit – dem Gefühl anderen Menschen ausgeliefert zu sein und zur Last zu fallen. Das Gefühl der Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und der immer stärker werdenden Wut. Zuhause in den eigenen vier Wänden die sich sorgende Familie – in der Straßenbahn Menschen, die aufstehen um der so zerbrechlich wirkenden Frau einen Platz zu bieten – im Krankenhaus die vielen weiß gekleideten Personen, die sich um ihr Wohlergehen kümmerten. Neben all den Sorgen schwirren ihr hartnäckige Fragen im Kopf herum: Wem hast du geholfen im Leben? Wem hast du den Rücken in schweren Zeiten gestärkt? Wem hast du deine Hilfe geboten? Wie hast du bisher gelebt? Warst du nicht immer diejenige, die sich von einen in den nächsten Urlaub gesehnt hat? Diejenige die ihren Traum von Freiheit und Luxus gelebt hat?

In diesem Moment wurde ihr klar, dass sie für andere Menschen da sein muss.

Die Suche nach der richtigen Tätigkeit

Ihre Therapie hat angeschlagen. Die Ärzte versprechen eine schnelle Heilung und eine völlige Genesung. Die Entscheidung, die sie in dem Moment, in dem sie um ihr Leben gebangt hat, getroffen hat, steht fest. Sie wird sich ehrenamtlich engagieren! Doch welche Tätigkeit kommt für sie in Frage? Bei der Recherche im Internet haben sich Unmengen von Möglichkeiten aufgetan. Soll sie sich als Lesepatin in einer Kindereinrichtung versuchen? Oder liegt ihr der Umgang mit Tieren? Sie könnte Senioren mit einer Demenzerkrankung im Alltag unterstützen und den Angehörigen so einen Tag Ablenkung in der Woche gewähren. Auch hat sie gelesen, dass in den Bereichen des Rettungsdienstes helfende Hände gesucht werden. Ist es interessant auf Großdiensten die Verpflegung der vielen Sanitäter und Helfer zu übernehmen oder sich gar als Sanitäter ausbilden zu lassen und so tätig zu werden? Letztendlich entscheidet sie sich dafür, Krebskranken – Gleichgesinnten – den Weg zu erleichtern und mit ihnen ihr Leid zu tragen. Durch ihre eigenen Erfahrungen und ihre Leidensgeschichte glaubt sie auf die Kranken gut eingehen zu können und ihnen gut zur Seite stehen zu können. Jedes Mal, wenn sie ihr Ehrenamt ausübt, verändert sie etwas – vielleicht sogar alles im Leben des Menschen, dem sie ihre Hand reicht. Sie möchte anfangen für Menschen da zu sein, die auf Unterstützung angewiesen sind.

Ehrenamt! Eine Ehre dabei zu sein.

Menschen engagieren sich aus ganz unterschiedlichen Gründen. Für viele ist das Helfen ein inneres Anliegen. Das Ehrenamt ist für sie eine sich selbst belohnende Tätigkeit. Oft ist es auch der soziale Anschluss, das Zusammensein und die Arbeit mit Gleichgesinnten. Auch eine persönliche Betroffenheit kann für ein Thema sensibilisieren und ein freiwilliges Engagement dafür nach sich ziehen. Ebenso sind oft persönliche Schicksalsschläge im Familien- und Freundeskreis der Auslöser, aktiv mit anzupacken und zum Beispiel Themen wie Behinderung oder Krankheit ins Bewusstsein anderer Menschen zu bringen. Egal aus welchen Gründen Menschen sich freiwillig engagieren, es bringt ein Jeden nach vorne, macht Spaß und sorgt für ein großes und unbezahlbares Miteinander.

Ehrenamt ist eine Tätigkeit, die freiwillig, gemeinwohlorientiert und unentgeltlich erfolgt. Wer ein Ehrenamt ausüben möchte, sollte sich immer fragen: Warum?
Die Träger erwarten das eigene Interesse und die sich daraus ergebende Verlässlichkeit. Wichtig ist auch, dass die eigenen Erwartungen in die ehrenamtliche Tätigkeit geäußert werden, etwa der Umfang, die Art und die Zeiten der Tätigkeit.

Das freiwillige Engagement hat eine große Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, aber auch für viele Träger stellt die Einsatzbereitschaft Ehrenamtlicher ein unverzichtbares Wesensmerkmal dar. Allein in Deutschland engagieren sich über 30 Millionen Bürgerinnen und Bürger freiwillig und unentgeltlich für gesellschaftliche Belange.

Zeit ist wertvoller als Gold

Während viele die zunehmende Alterung der heutigen Gesellschaft als Problem sehen, tun sich für das Ehrenamt neue Chancen auf: Engagierte Pensionierte mit vielen im Leben gesammelten Qualifikationen, können ihrem Alltag mit der freiwilligen Arbeit neue Inhalte geben und sie können sich neue Ziele setzen. Jährlich gehen unzählige Menschen in den Ruhestand, die die Zeit nutzen möchten um neue Erfahrungen zu sammeln und ein aktives Leben zu führen. Wer in seiner freien Zeit Erste-Hilfe-Wissen vermittelt, Nachhilfe gibt, Senioren als Einkaufsbegleiter zur Seite steht oder geflüchteten Menschen bei der Integration in unsere Gesellschaft unterstützt spendet nicht nur Geld. Diejenigen spenden Zeit, Geduld, Kraft, starke Nerven, freundliche und aufmunternde Worte und wichtige Arbeit.

Das Glück liegt im Ehrenamt

„Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende.“ (Demokrit)
Wer freiwillig Menschen einen Teil seiner Zeit schenkt, wird oft selbst reichlich beschenkt. Das Ehrenamt kann das eigene Leben durch viel Anerkennung und Bestätigung verändern. Es kann einem durch neue Erfahrungen dabei helfen, sich weiterzuentwickeln und offen für Neues zu sein. Für den, der ergänzend zu der Arbeit, der Familie oder den Freunden etwas tun möchte, kann ein freiwilliges Engagement eine Möglichkeit sein, dem eigenen Leben eine andere, sinnvolle Aufgabe zu geben.

 

Categories: Allgemein, Kurzgeschichten

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