40 Bands, vier Bühnen, 7.000 Besucher – 3 Tage Vollgas! Das ist die Brass Wiesn. Seit 2013 findet das Festival in Eching bei Freising statt. Zu hören gibt es „Blechmusik“ vom Feinsten. Und dabei ist keineswegs „Bierzeltumpfdada“ gemeint. Bandnamen wie „dicht&ergreifend“, „Die Fexer“ oder „Knedl&Kraut“ lassen erahnen, wie vielfältig die Musikgruppen und -stile dort sind.

Tag 1:

Die Ruhe vor dem Sturm – das Festivalgelände am Echinger See

Es ist Freitag, der 5. August 2016. Zusammen mit meiner Schwester und meiner Cousine fahren wir erwartungsvoll und bestens gelaunt zum Festivalgelände nach Eching. An der Anhängekupplung unser umfunktionierter Pferdehänger, der unser Schlafplatz für die nächsten drei Tage sein wird. Eigentlich wollten wir zelten, doch der Regen hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Anstatt der Campingwiese sind nur noch braune Schlammpfützen zu sehen. Zwischen Bulldogs und Bauwagen parken wir unser „Wohnmobil“. Mein Vater schüttelt nur noch den Kopf als er wieder nach Hause fährt. „Ruafts hoid o wenn’s eich nimma gfoid.“ Da sitzen wir nun in unserem kalten Anhänger, frieren ein bisschen (obwohl es Anfang August ist) und fragen uns, ob wir nun wirklich in den Regen hinausgehen sollen. Doch uns Landmädls schockt nichts und so schlüpfen wir in Gummistiefel und Regenjacke – „Es gibt koa schlechts Wetter, nur a foischs Gwand.“ Des hod d’Oma scho immer gsogd!

Wir stapfen durch tiefen Schlamm vorbei an Wohnmobilen und VW-Bussen bis hin zum angrenzenden Zeltplatz, dem die Spuren der regnerischen Nacht durchaus anzusehen sind. Das Schöne ist: wir sind ja nicht alleine. Überall tummeln sich junge Menschen – sitzen unter Vorzelten, ratschen, trinken Bier und haben jede Menge Spaß. Schnell werden wir angesteckt von der lockeren Atmosphäre und der Leichtlebigkeit. Scheißegal – es werden ja alle nass – jetzt erst recht!

Bald merken wir aber, dass die Leute nicht nur die wetterbedingten Umstände vereinen. Aus allen Ecken hören wir Blasmusik – teilweise selbstgespielt, teilweise aus der Box. Doch jedem scheint es zu gefallen. So etwas haben wir noch nie erlebt. Wenn ich erzählt habe, dass ich in einer Blaskapelle spiele, wurde ich vielleicht nicht ausgelacht, aber Begeisterung habe ich bei jungen Leuten eher selten erlebt. Hier auf der Brass Wiesn scheint das ein bisschen anders zu sein.

Langsam machen wir uns auf den Weg zum Festivalgelände. Anfangs sind dort nur wenige Menschen, doch nach und nach füllt sich der Platz vor der Hauptbühne. Hier werden die nächsten Tage diverse Musikgruppen ordentlich „aufspuin“. Ein wenig entfernt ist ein Bierzelt aufgebaut. Biertische gibt es darin nur wenige, denn auf der Brass Wiesn wird nicht stur auf der Bierbank geschunkelt, sondern getanzt!

Serious Six,  bestehend aus fünf jungen Burschen, eröffnet die Brass Wiesn auf der Hauptbühne im Freien. Die Zuschauer sehen aus wie bunte Guttis – alle in farbige Regenponchos und -jacken eingepackt. Es dauert nicht lange und schon wird getanzt und mitgesungen. Immer mehr Festivalbesucher kommen hinzu und das Gelände wird voll. Obwohl es uns friert und wir bis auf die Unterhose durchnässt sind, haben wir noch lange nicht genug. Bis in die späten Abendstunden laufen wir von Bühne zu Bühne, von Essensstand zu Getränkestand und lernen wunderbar lustige und lockere Menschen kennen. Hier ist jeder gut drauf und offen für neue Begegnungen.

Am späten Abend sind wir doch ein bisschen müde und durchgefroren und machen uns auf den „Heimweg“. Mit unseren Gummistiefeln voll Batz watscheln wir zurück zum Hänger. Direkt neben uns hat ein Bauwagen geparkt. Auf der Veranda circa 20 Burschen und Mädls und dazu Spider Murphy Gang und Highway to Hell. Natürlich lassen wir uns das auch nicht mehr entgehen und so lassen wir den Abend im wahrsten Sinne des Wortes ausklingen.

Tag 2:

Von leisen Blasmusikklängen werden wir am nächsten Morgen geweckt. Die Luft im Hänger ist heiß und stickig. Bei einem Blick nach draußen scheinen uns die Sonnenstrahlen ins Gesicht. Guten Morgen Sonnenschein, das sieht nach einem perfekten Festival-Wetter aus! Nach einem kleinen Frühstück stapfen wir zu den Waschcontainern und gönnen uns eine frische Dusche. Dennoch sind die Gummistiefel heute wieder am Start, allerdings mit kurzer Hose und T-Shirt. Bevor am frühen Nachmittag die ersten Bands loslegen, schlendern wir noch am Campingplatz umher. Wir treffen Freunde, die mit ihren Instrumenten ein bisschen aufspielen. Die vorbeigehenden Jungs und Mädls bleiben stehen, hören zu, singen mit und jeder ist gut drauf! Nach dem ersten Tag fühlt man sich schon als Teil der großen Festivalgemeinde und ist völlig infiziert vom „Brass Wiesn-Fieber“.

Hip Hop und fette Brass-Beats – dicht&ergreifend aus Passau

Auf dem Festivalplatz selbst warten wir gespannt auf unsere heutigen Favoriten. Django S. – eine Mischung aus Ska, Rock’n’Roll, Mundart, Balkan Beats und bairischer Lässigkeit heizen die Menge als erste Band des Tages ordentlich an und flippen auf der Bühne richtig aus. Wenig später ein völliger Stilbruch – jetzt kommt dicht&ergreifend. Zwei bayerische Rapper aus Passau. Im Hintergrund ein DJ-Pult – links davon ein Trompeter, rechts eine Tubaspielerin mit einem zur Seite gedrehten Cap. Zu bairischen Texten wippt die Zuschauermenge auf und ab. „Da Meier und da Wimmer – a bissl wos geht immer“. Jeder kennt den Text. Vor der Bühne bildet sich ein Kreis und die Burschen fangen an zu pogen. Hip Hop und Brass-Beats – genial! Für mich ein Höhepunkt des ganzen Festivals! Da sag‘ noch einer Blasmusik sei altmodisch!

Rock’n’Roll in da Lederhosn – Josef Menzl kurz vor’m Stagediving

Doch das Beste kommt noch. Nach dicht&ergreifend findet auf der Hauptbühne eine Verlosung statt. An einem Tourbus mit Blasinstrumenten konnte man Gewinnspielkarten ausfüllen und Instrumente gewinnen. Gerade wollte ich mir einen Bayern-Döner kaufen, als auf der Bühne mein Name ausgerufen wird. Ich habe eine Posaune gewonnen!!! Ich kann mein Glück kaum fassen und hüpfe freudespringend zum Instrumentenbus. Es ist kein Scherz – nachdem ich meinen Ausweis hergezeigt hatte, wird mir der Posaunenkoffer samt Inhalt einfach in die Arme gedrückt! Das kann ja wohl nicht wahr sein – hab ich ein Glück!

Ich verstaue die Posaune in unserem Hänger und laufe wieder zurück zum Festival und ins Bierzelt. Die Kapelle Josef Menzl ist der krönende Abschluss des heutigen Tages. So traditionell wie der Name klingt, ist sie eigentlich auch. Klassiker wie das „Rehragout“ oder „Dem Land Tirol die Treue“ sind hier zu hören. Die Musiker haben alle Lederhosen an und einen Hut auf dem Kopf. Doch hier geht der Punk ab! Auf einmal wird ein Stück gefühlt in fünffacher Geschwindigkeit gespielt und er „Große Trommel-Spieler“ haut nur so in das Trommelfell, dass das Gestell darunter fast zusammenkracht. Die Menge tobt! Da schmeißt sich der Frontmann Josef Menzl in die Menge und „stagedived“ über die Zuschauerhände. Der absolute Wahnsinn! Er selbst ist völlig überwältigt und wir sind es auch.

Tag 3:

Mit ein bisschen Wehmut wachen wir auf und starten in den letzten Tag der Brass Wiesn. Heute ist schon vormittags bei den meisten Zusammenpacken und Aufräumen angesagt. Wir frischen uns vorher noch im kühlen Echinger See ab, direkt neben dem Festivalgelände. Danach räumen wir unser Zeug zusammen und gehen ein letztes Mal ins Bierzelt. Wir essen zum Abschluss Käsespätzle und verabschieden uns von den Leuten, die wir die letzten Tage kennengelernt haben. Als unser Papa uns abholt und ich ihm meine Posaune zeige sagt er: „Ja do schau her, guad dass’ds hergfahrn seids.“

Ja. Des find i a. Schee war’s!

Auch 2017 findet von 5. – 7. August die Brass Wiesn wieder statt. Karten und alle Infos rund um’s Festival gibt es unter www.brasswiesn.de

Von Anna Patzelt

 

Fotos: brasswiesn.de; Hans-Martin Kudlinski/ BR

Categories: Allgemein, Kultur, Musik

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