„I don’t have big ideas. I sometimes have small ideas, which seem to work out.“ – mit diesen Worten beschreibt Matt Mullenweg, Head of Web-Development bei WordPress, ein Start-up. Eigentlich sagt das alles. Man braucht keinen völlig ausgeflippten Geschäftseinfall, nein. Was man braucht, ist eine kleine aber feine Idee, Mut und Willen. Und den bekannten Riecher für etwas Neues, etwas Innovatives, etwas, das die Leute haben wollen – haben müssen.
Das muss nicht unbedingt ein ganz neues Produkt sein, es kann auch ein Rework alter und vielleicht etwas eingerosteter Dinge sein. Wir sind eine Generation, die alte Dinge modern macht und Statements abgibt. Das spiegelt sich vor allem in der Mode und in unserem Lebensstil wider: Wir bauen Sofas aus alten Paletten, kaufen alte Fahrräder vom Schrottplatz und verleihen ihnen neuen Glanz, nehmen Omas hochgeschnittenes Dirndl und machen daraus unser individuelles Designerteil, das Heimatverbundenheit, Tradition und Moderne ausstrahlt. Ja, Tradition und Moderne in einem Satz.

Das beweisen einige Jungunternehmen aus Bayern. Der Trend geht dabei ganz klar zur Tradition und der Heimatverbundenheit. Bayerische Unternehmen wie SUCK MY SHIRT und Bavarian Couture designen Shirts und Co. mit Sprüchen wie „Minga 089“, „Heimat Liebe“ und „Le Lausbua“. Es sind ganz simple Ideen, nur Oberteile und Accessoires mit coolen bayerischen Sprüchen, die aber unglaublich eingeschlagen haben und mittlerweile zu richtigen Marken herangewachsen sind. Kleine Idee, der Mut, diese Idee umzusetzen und der Wille, aus der Idee etwas ganz großes zu machen. Es funktioniert.

„Minga 089“-Shirts vor der Skyline Münchens ©SUCK MY SHIRT

 

 

 

 

 

Genauso wird das Traditionelle wieder modern. Kleidungsstücke wie die Lederhose und das Dirndl erleben einen zweiten Frühling. Dabei kommen beim Gedanken an Tradition und Tracht Vielen Wörter wie „bieder“, „konservativ“, „bäuerlich“ in den Sinn. Das hat sich in den letzten Jahren unglaublich gewandelt. Unter anderem mit Sicherheit deshalb, weil junge Designer Lust darauf haben, diesen traditionsträchtigen Kleidungsstücken neuen Glanz zu verleihen, ihnen den Stempel unserer Generation aufzudrücken: aus Alt mach Neu.
Durch die verrücktesten Ideen entstehen so aus einfachen und „langweilig“ gewordenen Trachten moderne und innovative Must-haves.

„Ich sehe mich schon auch als Mode-Rebellen“

Möchte man zum Beispiel keine 08/15-Lederhose, kann man ihnen beim Lederhosen-Tätowierer eine ganz persönliche Note verleihen, sie individualisieren. Michael Thalhammer, der sich selbst als „Mode-Rebellen“ bezeichnet, trägt außerdem das bayerische Traditions-Stück gerne mit lässigem T-Shirt und nennt das Ganze dann den „Bavarian Surfstyle“. Auch das ist im Grunde genommen nichts anderes als ein Rework der Tracht, die eigene Auslegung des traditionellen Stils. Aber er schafft es, aus der Lederhose ein It-Piece zu machen.

Logo „Herz’Sach“ ©Herz’Sach

Auch die Frau muss nicht mehr in einem altbackenen Dirndl auf das Rosenheimer Herbstfest oder die Münchner Wiesn gehen. Das junge Label „Herz’Sach“ hat das Dirndl neu erfunden. Die zwei langjährigen Freundinnen, Lena Stumböck und Lisa Berger aus der Nähe von Rosenheim, haben mit 19 bzw. 20 Jahren das Unternehmen gemeinsam gegründet. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Mädels eine moderne, aber immer noch traditionelle Alternative zum „normalen“ Dirndl zu bieten.
So entstehen nun traumhafte Unikate, die Frauenherzen höher schlagen lassen. Dabei arbeiten sie vor allem mit ausgefallenen Stoffen, knalligen Farben und viel Liebe zum Detail – man findet an ihren Meisterstücken beispielsweise kleine Schleifchen, Federn und viel Spitze.

 

 

„Tracht soll schließlich nicht stehen bleiben, sondern sich weiter entwickeln“

Das ganz Besondere an ihren handgemachten Dirndln sind aber die Schnitte. So haben die beiden zum Beispiel das Bandeau-Dirndl erfunden.
Die Geschichte, die hinter „Herz’Sach“ steckt, haben Lena und Lisa in einem Interview erzählt:

Wie alt wart ihr, als ihr euer erstes eigenes Dirndl geschneidert habt?
„Zwischendurch mal probiert haben wir schon in jungen Jahren, aber wirklich mit der Sache beschäftigt und unsere eigenen Dirndl genäht, haben wir vor ca. 5 Jahren, also im Alter von 20 Jahren.“

Was war eure Inspiration für die besonderen Dirndl Schnitte?
„Wir wohnen in einem kleinen Dorf nahe Rosenheim, viele normale Trachtenläden mit   traditionellen Dirndln gibt es somit also fast an jeder Ecke. Wir hatten schon immer den Hang dazu, etwas ganz Besonderes zu schaffen, das es so noch nicht gibt. Die Grundschnitte sind von Lenas Oma, die viele Jahre als Dirndlschneiderin tätig war. Diese haben wir dann modernisiert. Tracht soll schließlich nicht stehen bleiben, sondern sich weiter entwickeln.“

Am 21. Mai 2016 haben die zwei Designerinnen einen eigenen Laden in Thansau, einem Ort nahe Rosenheim, eröffnet, in dem sie am Wochenende ihre Dirndl verkaufen:
„Uns war wichtig, dass die Mädels direkt zu uns kommen können. Es ist so schön, persönlich zu sehen, wie sie sich entscheiden und sich freuen.“

Blick in das Atelier „Herz’Sach“ ©Herz’Sach

 

Wie haben die Beiden es geschafft, mit diesem einfachen Produkt eine solche Faszination auszulösen? Zunächst ging es natürlich wieder um die Idee: eine Innovation des Dirndls. Außerdem um den Mut, diese besonderen Dirndl zu präsentieren und die Reaktionen darauf aufzunehmen. Und letztendlich den Willen, mit ihrer Herzensarbeit so vielen jungen Frauen eine Freude zu machen.

 

 

Bekannt geworden ist das Label hauptsächlich über Social Media. Auf ihren Facebook- (Herz’Sach auf Facebook) und Instagram-Kanälen (Herz’Sach auf Instagram) halten sie ihre Follower regelmäßig mit Bildern und Posts ihrer Unikate und aktuellen Kollektionen auf dem Laufenden.

So sometimes it’s really about the small ideas to make something working out!
Solange man mit viel Kreativität und Liebe an seiner Idee feilt, ist es definitiv möglich, aus Alt Neu zu machen.
Man braucht nur die Idee, den Mut und den Willen dazu.

Veronika Voglrieder

Categories: Allgemein, Beruf

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