Ruft man sich das allgegenwärtige Klischee des klassischen Amerikaners in seine Gedanken, so bilden sich sofort verschiedenste Assoziationen von Bud Light trinkenden, Pick-Up fahrenden Personen, die das tägliche Schrotflinten Abfeuern im Garten als Leistungssport sehen. Dieses Bild ist in den Augen der deutschen Allgemeinheit weder sehr angesehen, noch gilt es als besonders seriös. Abgesehen von diesen Äußerlichkeiten oder seinen physischen Handlungen wird das Bild eines Amerikaners nicht unbedingt besser so bald dieser seinen Mund öffnet. So sind viele der Ansichten der Landsleute, der selbsternannten „Besten Nation der Welt“ nicht unbedingt deckungsgleich mit solchen, welche uns in Deutschland als geläufig erscheinen. Ein gutes Beispiel für diese doch sehr starke Differenz bieten die derzeit in den öffentlichen, wie sozialen Medien verhöhnten Reden des Präsidentschaftskandidaten Donald Trump. Trotz des außerordentlichen wirtschaftlichen Erfolgs dieses Mannes im internationalen Immobilienmarkt stellen sich die Leute dank seiner verbalen Eskapaden immer wieder Fragen wie „Meint der das ernst?“„Sind die Amis wirklich so dumm?“. Dabei soll Mr. Trump kein Einzelfall sein.

Ist es eigentlich fair als außenstehende Partei so zu Urteilen? Kann man dank einer sehr präsenten, negativ schillernden Persönlichkeit über die gesamte Bevölkerung des Kontinents der unbegrenzten Möglichkeiten sprechen? Eher nein! Trotzdem stellt sich immer wieder die Frage, wieso also die Mehrzahl der Amerikaner so gesehen werden und ob sie jenes nicht vielleicht auch so wollen.

Dieses Mädchen glaubt noch an die ZahnfeeFangen wir in der Kindheit eines Menschen an, welcher in den USA das Licht der Welt erblickt hat. Nachdem ich selbst Erfahrungen im Umgang mit amerikanischen Kindern gesammelt habe ich war ein Jahr lang Au Pair in einem schönen Strandort in New Jersey und habe auf Drillinge aufgepasst kann ich hier sehr gut ein Bild wiedergeben. Ein Bild, welches man heute nur noch selten in Deutschland zu sehen bekommt. Kinder sind noch wahrlich Kinder. Das bedeutet, dass ihnen durch ihr Umfeld der Schule und dem gesamten System, kaum eine Verantwortung auferlegt wird und sie somit sowohl ihrer Persönlichkeit als auch ihre Fantasie voll und ganz entfalten können. In meinem Fall konnte ich erstaunt feststellen, dass Kinder ganz andere Entwicklungseckpunkte besitzen. Es war eindeutig zu sehen, wie viel wert in Amerika auf eine rhetorisch wertvolle Erziehung gelegt wird, dass heißt für das Kindesalter eine sehr komplexe Sprache frei von jeglichen Schimpfwörtern. Das bewegt die Kinder dazu unfassbar kommunikativ und ausdrucksstark sich zu entwickeln. Markant ist auch der Fakt, dass somit Kinder wahnsinnig positiv denken und durchs Leben gehen. Das was somit als vielleicht „kindisch“ von unserer örtlich ansitzenden Jugend betrachtet wird, ist vielleicht gar nicht so verkehrt. Man könnte konträr dazu nämlich ebenso argumentierten, dass das hier ansässige System „nicht gut“ ist. Unabhängig davon, ob dies positiv oder negativ ist, ist dies jedoch der Kern des ganzen, da Menschen in Ihrer Kindheit für den Rest des Lebens geprägt werden. So kann ein Millionär aussehen

Begegnet man einen Amerikaner auf der Straße, egal wo auf dem Erdball, so wird man erstaunlicherweise feststellen, wie wenig dieser mit dem bereits angesprochenen Stereotypen zu tun hat. Dort wo der Deutsche zu introvertiert und eher wortkarg auffällt, ist ein solcher Amerikaner unfassbar geöffnet und somit verbal kommunikativ. Argumentativ könnte dies durchaus ein Resultat des oben angesprochenen sein oder doch auch einen ganz anderen Grund haben. Wer weiß das schon? Fakt jedoch ist, dass sich der Gesprächsinhalt dieser Konversationen nicht gegensätzlicher sein könnte. So würde der Deutsche zum Beispiel niemals über sein Privatleben geschweige denn von seinen Finanzen mit einem fast Fremden sprechen. Hier gehört es bei den Menschen aus Übersee zum guten Ton solche Inhalte schnell und sehr offen zu thematisieren und dies zu kommunizieren. Ebenso trifft das auch auf Themen zu, wie der eigene Status in der Gesellschaft oder Beziehungen zu anderen Menschen. Diese offene Umgangsart wird auch sehr oft als oberflächlich oder falsch bewertet. Jetzt stellt sich natürlich wieder die Frage. Ist das nicht pure Auslegungssache?

Diese Verhaltensweise hat es allerdings doch auch geschafft seinen Schnitt in der Weltgeschichte zu machen und somit die größte Wirtschaftsmacht der Welt hervorgebracht. Im Zusammenhang mit der These, dass die „Amis“ naiv seinen, gibt es wohl keinen größeren Wiederspruch. Durchaus könnte diese Einstellung und diese unbeschwerte „Just Do It“ Mentalität, welche uns durch diverse besprochene Punkte negativ auffallen kann auch ein probates Mittel für diesen enormen Erfolg des Landes sein. Manchmal ist es offensichtlich sehr produktiv naiv und vielleicht ein wenig überoptimistisch an Dinge ranzugehen. Ganz nach der genannten Mentalität haben Umfragen in den USA gezeigt, wie überdurchschnittlich stark die amerikanische Bevölkerung daran glaubt, dass sich harte und ehrliche Arbeit am Ende Tages immer auszahlt!

„Amerika ist ein Land, das seine Bürger mit Frieden und Möglichkeiten versorgt“ – Kann man dieser Aussage zustimmen?

Meine Meinung geht hier ganz klar in Richtung „selbstverständlich!“. Das liegt sogar an vielen unterschiedlichen Faktoren. Zu einem ist es besonders als junger Mensch eine Tugend sich in unserer heutigen Zeit noch frei und unbeschwert entfalten zu können. So ist es auch mal ganz gut mit einer gewissen Blauäugigkeit und ja man kann es so nennen, Naivität durch seine Jugend zu marschieren. Statistisch bewiesen ist es sogar, dass die Amerikanische Jugend eine der glücklichsten der Welt ist. Zum anderen ist zu sagen es lässt sich als Erwachsener nicht unbedingt beschwerter leben. Wenn man ganz bewusst ab und zu sich und seine Umgebung nicht immer so Tod ernst nimmt, wie es hier durchaus die Regel ist. Ebenso ist hier eine gewisse Naivität nicht unangebracht besonders, wenn man sich dadurch mit weniger Gedanken und der dabei selben Motivation in seine Arbeit stürzt. Wie bei den Jugendlichen steht der Glücks-Indikator bei den Erwachsenen an ähnlich hoher Stelle.

Dank der allgegenwärtig vorgelebten Mentalität, welche aus voller Überzeugung ab dem Kindesalter verinnerlicht und gelebt wird, ist die USA wahrlich das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Auch wenn es vielleicht nicht bewusst geschieht, so ist es von außen betrachtet fast so, als würden die Amerikaner eine gewisse berechnende Methodik besitzen, welche hinter ihrem Lebensstil steht und welche diese Nation so groß hat werden lassen.

Um abschließend Mr. Trump noch eine Zeile zu widmen: Er mag naiv oder gar dumm wirken und vielleicht in gewisser Weise sein und doch ist er ein schillerndes Beispiel dafür, dass es auch so eine Person in den sowohl finanziellen als auch gesellschaftlichen Olymp schaffen kann.

Kelly Heckl
Categories: Allgemein, Kultur, Lifestyle

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