Familiengeburtstage. Für manche eine eher lästige Pflichtveranstaltung mit unangenehmen Gesprächen über die Arbeit oder Schule, aber nicht für mich. Die Einladung zum 37. Geburtstag meines Onkels Reinhard hatte ich bereits vor einigen Wochen bekommen, mit viel Mühe und Liebe von ihm selbst geschrieben und verziert. Wieso das so etwas besonderes ist? Reinhard wurde mit dem Down-Syndrom geboren.

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Angeregtes Gemurmel, Gelächter und Geburtstagsmusik, die ersten Dinge die ich wahrnehme, als ich bei der Feier meines Onkels eintreffe. Die Terrasse meiner Großeltern wurde bereits am frühen Morgen vorbereitet: Bierbänke und Tische fungieren jetzt als Sitzmöglichkeiten für die zahlreichen Gäste, Girlanden hängen in grellen, glitzernden Farben an der Hauswand und bilden in großen Buchstaben die Wörter „Happy Birthday“. Die erste Person, welche ich grüße, ist natürlich die Wichtigste des gesamten Tages – Reinhard. Bereits von weitem erkenne ich das freudige Lächeln in seinem Gesicht, wie es sich gefühlt von einem Ohr zum anderen ausbreitet, kleine Gruben in seine Mundwinkel gräbt und noch strahlender wird, als er mich und meine Familie erblickt. Egal wie oft ich diesen Ausdruck sehe, immer wieder aufs Neue erwärmt es mir das Herz und lässt mich mindestens genauso freudig grinsen. Ich weiß, dass die Laune meines Onkels nie gespielt ist, sie ist aufrichtig und ehrlich, denn er gibt sich wie er ist. Er verstellt sich nicht und setzt keine gekünstelte gute Miene auf, um andere nicht zu enttäuschen. Reinhard ist glücklich, was auch jeder Anwesende merkt.

Die Umarmung meines Onkels dauert eine ganze Weile. Ich habe meine Arme um seinen Körper gelegt, tätschle ihm leicht auf den Rücken und werde im Gegenzug dafür fest gedrückt. Für Reinhard ist es eines der wichtigsten Rituale umarmt zu werden und selbstverständlich darf das auch nicht an seinem besonderen Tag ausbleiben. Als ich mich löse, wird mir erneut dieses sanfte Lächeln geschenkt und ich erwidere es. Jetzt, wo ich Reinhard näher gegenüber stehe, fallen mir seine Klamotten auf. Er ist schon immer ein Mann gewesen, der sich gerne schön kleidet, aber heute wurden die feinsten Stücke aus dem Kleiderschrank gezogen und zusammengestellt. Ein weißes Hemd, frisch gebügelt und mit aufgestelltem Kragen und dazu liegt eine moosgrüne, ärmellose Trachtenweste über seinen Schultern, welche sich über den Bauch durch goldene Zierknöpfe schließt. Auf dem Kopf trägt er einen Trachtenhut, an dem seitlich ein Gamsbart in die Höhe ragt und die passende Lederhose darf natürlich nicht zur Abrundung fehlen. Ich weiß, dass Reinhard schon vor Stunden angefangen hatte, sich für den Anlass vorzubereiten und ihm werden dementsprechend Komplimente gemacht.

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Nur ein paar Minuten nach unserer Ankunft, wird der Kuchen und anderes Gebäck auf den Tischen drapiert und eine der süßen Versuchungen, hat meinen Blick besonders auf sich gezogen. Eine Torte, selbstgebacken, auf der mit kleinen Buchstaben aus Schokolade Reinhard und die Zahl 37 geschrieben wurde. Mein Onkel lässt es sich natürlich nicht nehmen, diese höchstpersönlich anzuschneiden und das leichte Funkeln von Stolz in seinen Augen, welches zu sehen ist als die Klinge des Messers die erste Schicht durchgleitet, sagt für mich viel mehr als Worte. Einige Kameras werden gezückt und Fotos zur Erinnerung geschossen. Auch ich werde diese schönen Momente in Erinnerung behalten.

Während bei Kaffee und Kuchen über die letzten spannenden Ereignisse geredet und über so manch peinliche Erzählungen gelacht wird, trifft die Überraschung für Reinhard ein. Es ist die örtliche Blaskapelle, welche zur Feier des Tages von meinen Großeltern organisiert wurde und heute einige Lieder spielen soll. Schon von weitem dringen die blechernen Töne an mein Gehör und als ich zu meinem Onkel blicke, erkenne ich, dass er sich aufgeregt umsieht. Jedes Jahr wird versucht die Musikantengruppe für seine Geburtstage zu mieten – dies bis jetzt auch immer erfolgreich – aber es ist auch jedes Jahr immer wieder etwas Neues, Schönes und Einzigartiges. Dann kommen die Mitglieder der besagten Blaskapelle auch schon um die Ecke und Reinhard springt freudig von seinem Platz auf. Jeder Gast beginnt im Takt des Geburtstagsliedes zu klatschen und auch ich steige mit ein. Ich spüre nach einer Weile die Wärme zwischen meinen Handflächen, beobachte wie mein Onkel sich vor die Musikanten stellt, welche sich jetzt im Garten positionieren und ihnen zuhört. Die Stimmung der Feier ist auf ihrem Höhepunkt: Ich sehe, als ich meine Augen einmal durch die Runde schweifen lasse, glückliche Gesichter und höre zwischen den Trompetentönen Gelächter. Vor allem aber Reinhard strahlt über beide Ohren. Er hat sich zuvor schon seinen eigenen Taktstock geholt, hält ihn nun in seiner rechten Hand und hebt beide Arme nach oben. Die Bewegungen seines Handgelenkes sind schnell, seine Finger schwenken den Stab rhythmisch hin und her und er bewegt auch zusätzlich seine Hüften zur Musik. Wieder wird dieses Funkeln in Reinhards Augen sichtbar, ein Grinsen umspielt seine Lippen und ich weiß, dass er glücklich ist.

Ich kann nur sagen, dass  ich mich glücklich schätze, Reinhard in meiner Familie zu wissen. Er zeigt mir immer wieder, dass man die kleinen Dinge im Leben wertschätzen soll und so, viel glücklicher durchs Leben gehen kann.

Melanie Niermann

Categories: Allgemein

3 Responses so far.


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