Adele Laurie Blue Adkins, bekannt als Adele aus London, England, ist DAS Stimmwunder des 21. Jahrhunderts. Mit 19 hat sie ihr erstes Soloalbum veröffentlicht, danach folgten weitere Alben. Trotzdem sie nicht den in der Showbranche üblichen Idealen entspricht, ist sie ein Weltstar. Was also hat sie, was andere nicht haben? Was steckt hinter ihrem Erfolgsrezept?

Eine große Arena mitten in Berlin – Kreuzberg. 17.000 Zuschauer, die gebannt auf ihren Stühlen sitzen, darauf warten, dass ihr Star aus der Luft zu irgendeiner Choreographie hereinschwebt oder mit einer imposanten Lichtshow und Farbeffekten das Konzert beginnt. Auf einer großen Wand an der Bühne sind Adeles geschlossene Augen zu sehen.
Nach einer Ewigkeit geht das Licht aus. Jeder, der sich zuvor noch unterhalten hat, wird still und starrt gebannt auf die Leinwand. Plötzlich öffnen sich Adeles Augen und man hat das Gefühl, man wird direkt angeschaut. Musik setzt ein und fast schon unscheinbar aus einem Loch im Boden kommt Adele und wie zur Begrüßung stimmt sie ihren Hit „Hello“ an.

Dieses Konzert fand im Mai 2016 in Berlin statt und ich war dort. Ich bin Fan seit der ersten Stunde, als sie mit ihrer Single „Hometown Glory“ 2007 erstmals Bekanntheit erlangte.
Die Frage, die sich viele allerdings stellen ist: Adele ist nicht gerade das Sinnbild des heutigen Schönheitsideals, hat nicht die 90-60-90 Maße, die erwartet werden, um nicht für schwanger gehalten zu werden oder die Presse sich darüber auslässt, dass man schon wieder an Bauchumfang zugenommen hat. Aber genau das ist es, was wir „Daydreamer“ (so nennen sich ihre treuesten Fans, angelehnt an einen ihrer Hits) an ihr lieben. Sie ist echt. Sie verstellt sich nicht.
Deshalb nimmt sie auch keine Werbeverträge für Hautcremes oder ähnliches an, weil sie dafür nicht stehen möchte. Sie verkörpert das Bild einer jungen, erwachsenen Frau, die mit sich selbst im Reinen ist.

Zeitlosigkeit ihrer Songs
Ein wichtiger Grund für ihren Erfolg sind ihre Songs. Jeder, der nur einmal in eins ihrer Alben reingehört hat, weiß, wovon ich rede. Ihre Texte sind zeitlos, übermitteln bekannte und persönliche Themen und man könnte meinen, sie spräche einem damit direkt aus der Seele. Sie hat keine Scheu davor, sich verletzlich zu zeigen, ihre Gefühle zu offenbaren. Das macht sie nahbar und vor allem menschlich.
Keine Starallüren wie so manch anderer Promi und tausend Sonderwünsche, keine Skandale über Alkoholexzesse oder Ähnliches. Sie ist ein Star zum Anfassen, dem man gerne näherkommen darf. Die einfach so, mitten im Konzert, Kinder aus den vorderen Reihen zu sich auf die Bühne holt, mit ihnen redet, als würden sie sich schon jahrelang kennen und zum Abschied ein Selfie knipst.

Einzigartigkeit ihrer Stimme
Außerdem sticht sie nicht nur wegen ihrer Art hervor, der Hauptgrund ist ihre unverwechselbare Stimme. Sanft und weich, aber auch soulig und kraftvoll, so präsentiert sie auf ihren bisher drei Alben eine große Bandbreite an Songs und Gefühlslagen. Mal sentimental und nachdenklich („Someone like you“, einer ihrer bekanntesten Songs), dann wieder einen Rückblick in die Vergangenheit („When we were young“), als auch die typische Liebeserklärung („Hello“) lässt sich dort finden.

Grade letztere scheint die Stars so zu berühren, dass sie nach Erscheinen des Songs im Oktober 2015, ihre Tränen nicht mehr zurückhalten können und die sozialen Medien mit
Taschentuchposts überhäufen.

Adele berührt einfach mit ihrer Stimme, ihrem Sein und ihrer Art, wie keine andere. Erweckt Themen durch ihre musikalische Bildsprache zum Leben, spricht damit Jung und Alt an. Weil sie sich damit identifizieren können.
„Die Zeit“ trifft somit ins Schwarze, indem sie sie als „heilende Anachronistin“ betitelt. Sie versucht nicht krampfhaft immer wieder neue Songs zu produzieren, um im Showbiz aktiv zu bleiben. Es ist keine zwanghafte Musik. Erst kürzlich nahm sie sich eine dreijährige Auszeit, um sich mehr Zeit für die Familie nehmen zu können. Und trotzdem stehen die Fans nach drei Jahren Babypause wieder stundenlang an, um eins der begehrten Tickets für ihre Konzerte zu ergattern, die innerhalb von Minuten ausverkauft sind.

Auszeichnungen für eine ausgezeichnete Künstlerin
2012 gelang ihr außerdem der große Coup: Mit „Skyfall“ stellte sie den Titelsong für den gleichnamigen James-Bond, der das Theme des ersten James-Bond-Films „James Bond jagt Dr. No“ aufgreift. Damit gewann sie sogar einen Oscar. Und das ist noch längst nicht ihr einziger Preis. Seit 2009 war sie jedes Jahr für teils mehrere Grammys nominiert und gewann sie in 10 von 13 Kategorien, dazu Preise wie die BRIT-Awards (2012, 2016) und den MTV-Europe Music Award.

Einfach nur sie selbst
Und noch etwas macht sie zu einer bezeichnenden Künstlerin: Ihre Natürlichkeit. Erst im August 2016 musste sie mehrere Konzerte absagen, weil sie zu krank war und meldete sich deswegen ungeschminkt, mit deutlich erkennbaren Spuren einer Erkältung im Gesicht auf den sozialen Medien und entschuldigte sich bei ihren Fans. Jeder andere Star, wie z.B. Katy Perry, Jessie J (mit der sie gemeinsam die Schule abschloss), Madonna oder andere würden so etwas nicht tun. Sie zeigen sich nicht verletzlich, sondern wollen instinktiv genau das Bild einer perfekten, makellosen Frau abgeben. Die sie nun mal leider nicht sind. Denn Stars sind auch nur Menschen, die in öffentlichem Interesse stehen. Auch sie dürf(t)en sich Fehler erlauben, wenn nicht die Klatschpresse des heutigen Zeitalters ihnen immer einen Schritt voraus wäre.

Und gerade das zeigt: Sie braucht keine aufwendig inszenierten Bühnenshows mit Lichtreflexen und von der Decke schwebenden Tänzern. Es reicht, wenn sie einfach nur sie selbst ist und uns als ihre treuen Fans mit ihrer Stimme begeistert. Denn das ist es, was sie ausmacht. Sie steht auf der Bühne, niemand anderes. Und genau deshalb sticht sie auch hervor, in der Masse der Hollywood-Diven. Ein Star, der polarisiert, aber sich durch den Ruhm nicht verbiegen lässt.

Das Konzert ist jetzt schon über ein Jahr her und ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie ich zusammen mit 17.000 anderen Zuschauern ihren Hit „someone like you“ gesungen habe, umgeben von Millionen Lichtern. Am Ende konnte ich meine Tränen nicht zurückhalten. Dieses Konzert wird mir noch lange in Erinnerung bleiben und keins der folgenden wird es auch nur ansatzweise schaffen, mich so zu begeistern wie sie.

Von Sarah Wagner

Quellen: http://www.zeit.de/kultur/musik/2015-11/adele-album-25

Categories: Allgemein, Musik

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