„Typisch weiblich“ – jede Frau kennt die Vorurteile über ihr Geschlecht nur zu gut. Viel zu oft werden Frauen in unserer Gesellschaft mit Sätzen wie „Geht ihr eigentlich immer zu zweit auf die Toilette“ oder „Pass auf beim Einparken“ konfrontiert – zurecht? Oder handelt es sich hierbei nur um männliches Machogehabe? Was ist denn „typisch weiblich“ und was ist einfach nur weit hergeholt?


Frauen vertragen keine Alkohol, frieren ständig und können – wenn sie ausnahmsweise mal nicht weinen – pausenlos reden.
Diesen (und noch vielen mehr) Vorurteilen sind Frauen beinahe täglich ausgesetzt. Doch was steckt wirklich hinter diesen Behauptungen?


Blond, blau, blöd oder blond, blau, superschlau?
 

Ungefähr 3.290.000 Ergebnisse – das ergibt die Google-Suche bei Eingabe der beiden Wörter „Blondinen“ und „Witz“. Das Klischee vom „dummen Blondchen“ ist in unserer Gesellschaft also immer noch allgegenwärtig. Doch kann die natürliche Haarfarbe einer Frau tatsächlich Auskunft über deren Intelligenz geben? Mit dieser Frage hat sich der Wissenschaftler Jay Zagorskyvon der Ohio State University näher befasst. Er hat 10.000 IQ-Tests von US-amerikanischen Frauen und Männern ausgewertet und dabei festgestellt, dass Blondinen keinesfalls dumm sind. Im Gegenteil: Ihr IQ liegt mit einem Wert von 103,2 sogar über dem von brünetten und schwarzhaarigen Frauen.

Die wahren Verlierer am Glas 

Nicht umsonst fällt es Frauen leichter auf Alkohol zu verzichten als Männern. Für den bedachteren Konsum des Genussmittels sind der weibliche Körperbau und die verminderte Enzymaktivität in der Leber verantwortlich. Frauen haben nämlich von Natur aus einen höheren Körperfettanteil als Männer. Dadurch kann sich der Alkohol schlechter im weiblichen Körper auflösen – mit der Folge, dass alkoholische Getränke schneller Wirkung zeigen.

Schweigen ist Silber, Reden ist Gold

Alles nur „Blablabla“ oder doch was dahinter? Geht es nach den Männern sind Frauen eindeutig daskommunikativere Geschlecht. Dieser Mythos wurde von einem Forscherteam der University of Arizona in Tucson mithilfe einer Langzeitstudie untersucht. Sie haben dabei die Daten von 396 Probanden analysiert, die über mehrere Tage hinweg einen Sprachrekorder trugen. Der tägliche Wortgebrauch der Teilnehmer wurde dann aus der Anzahl der aufgezeichneten Wörter extrapoliert. Das Ergebnis: Männer und Frauen reden ungefähr gleich viel, nämlich rund 16.000 Wörter am Tag. Allerding über unterschiedliche Themen: Während der Redeanteil von Männern in Diskussionen höher ist, zeigen sich Frauen bei emotionalen und persönlichen Themen deutlich kommunikativer. 

Alte Frostbeulen

„Vergiss deinen Teppich nicht, wenn du rausgehst“ – gerade bei kühlen Temperaturen bekommen Frauen diesen Satz öfters zu hören. Gemeint ist jedoch nicht der Fußbodenteppich, sondern der gefühlt kilometerlange Schal jeder Frau. Dieser ist nicht nur modisch, sondern hält dazu noch warm. Während Männer nämlich im Durchschnitt zu 40% aus Muskeln und zu 15% aus Fett bestehen, haben Frauen nur 25% Muskeln und 25% Fett.

Let’s get lost 

„100m Richtung Norden, dann 500m gen Süden und schon bist du da“ oder „An der Laterne rechts, vorbei an der Kirche und du siehst das Ziel“ – ist doch genau die gleiche Wegbeschreibung, oder? Für Frauen und Männer nicht. Während sich die meisten Frauen zur Navigation an Gebäuden oder Orten orientieren, folgt der Großteil der Männer einer Art Karte im Kopf. Dennoch können sich beide Geschlechter gleich gut orientieren, wie Psychologen der Universität Marburg herausfanden. Um zu diesem Resultat zu kommen führten sie mit Studenten einen Test durch: Ein Mann und eine Frau werden in einer Stadt ausgesetzt und sollten getrennt voneinander den schnellsten Weg zum Bahnhof finden. Sowohl der Mann als auch die Frau kamen zeitgleich am Ziel an; der Test endete somit unentschieden.

Wieder Pipi in den Augen…

Laut dem typischen Geschlechterbild unserer Gesellschaft sind Frauen das emotionale Geschlecht mit dem zarten Charakter. Mehrere Studien bewahrheiten diese Theorie: Frauen weinen zum Beispiel durchschnittlich fünfmal häufiger als Männer. Dies liegt daran, dass deren Körper mehr Prolaktin besitzt – ein in den Tränen vorhandenes Hormon. Außerdem ist der weibliche Tränenkanal anders gebaut als der männliche, was sie von Natur aus zu näher am Wasser gebauten Wesen macht. 

Paarschiffen nur für Frauen?

Egal wo und egal wann- spätestens nach ein bis zwei Getränken kommt die Frage „Gehst du schnell mit auf die Toilette?“. Natürlich gehört es sich da, die Freundin zu begleiten – mit im Gepäck: das Seufzen und Augenrollen anwesender Männer. Hierbei lassen sich aber zwei Dinge bestens verbinden: Auf die Toilette gehen und nebenbei den neuesten Klatsch & Tratsch austauschen. Dieses „Zu-zweit-aufs-Klo-Phänomen“ lässt sich aber Statistiken zufolge auch bei Männern beobachten.

Frau am Steuer, das wird teuer! 

Frauen können nicht einparken: Stimmt nicht. Für die Untersuchung filmte der britische Betreiber NCP auf 700 firmeneigenen Parkplätzen einen Monat lang rund 2500 Fahrer. Das Ergebnis: Frauen finden nicht nur schneller einen Parkplatz, sie können auch noch rückwärts besser einparken. 

Doch ganz gleich, ob Frauen weniger Alkohol vertragen, schneller frieren als Männer oder häufiger weinen; letztendlich ist jede Frau einzigartig mit ihren Schwächen, Stärken und Talenten. 


von Alina Gruber


Textquellen: 

Matthias R. Mehl, Simine Vazire, Nairán Ramírez-Esparza, Richard B. Slatcher, James W. Pennebaker. Are women really more talkative than men? in: Science 6 July 2007, Vol. 317 no. 5834 S. 82: http://www.sciencemag.org/content/317/5834/82.abstract

Spiegel-Online: Nähe zum Wasser: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13683654.html

Prof. Dr. Falk Kiefer: Die Wahrheit über Alkohol, in: MY LIFE Magazin 6 /2005:http://www.zimannheim.de/fileadmin/user_upload/pdfdateien/presse05/halbj2/alk_mylife_05.pdf

Iris Frieling: Was ist wirklich typisch Frau?: https://www.nwzonline.de/panorama/was-ist-wirklich-typisch-frau_a_13,6,720047830.html

Marlene Riederer: Studie belegt: Frauen arbeiten in warmen Büros besser: https://www.br.de/nachrichten/wissen/der-kampf-ums-thermostat-frauen-denken-bei-waerme-besser,RRI6LQx

Spiegel Online: Blondinen sind nicht dümmer: https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/blondinen-und-intelligenz-sie-sind-nicht-duemmer-a-1083582.html

eDarling: Typisch Frau – gibt es diese Klischees wirklich?:https://www.edarling.de/single-news/typisch-frau

Irene Jung: Typisch Mann, typisch Frau: Vorurteil oder Realität? https://www.lovepoint.de/magazin/news-stories/typisch-mann-typisch-frau-vorurteil/


Bildquellen: 

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay 

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